Sehnsucht

– September 2017 –

Da bin ich also. Seit, moment ich muss zählen, 3,5 Jahren Single und bin unglaublich unglücklich damit. Wow. Mein Ego widerspricht sofort mit dem Satz: „Als ob du nur einen Mann brauchst, um glücklich zu sein.“ Mein Ego will auch sofort auf die rhetorische Frage mit einen ganz klaren „Nein“ antworten, aber wenn ich ganz tief in mich horche, weiß ich, dass es zumindest einen beträchtlichen Anteil an meinem persönlichen Glück hat. Ich hasse es darüber zu sprechen oder wirklich zuzugeben, dass ich mir einen Mann wünsche mit dem ich endlich glücklich zusammen sein kann, aber so ist es nun mal.

Total klischeehaft ist es einfach jetzt an der Zeit. Mein Studium ist abgeschlossen, ich habe einen Job und meine Karriere Aussichten könnten nicht besser sein. Rein theoretisch ist jetzt die perfekte Zeit mit Jemandem zusammen zu sein, mit dem ich meine weiteren Zukunftspläne realisieren kann. Abgesehen davon, dass es zeitlich wunderbar passt, sehne ich mich nach Jemandem, bei dem ich sicher und angekommen bin. Diese Sehnsucht ist längst nicht mehr nur ein einfacher Wunsch, sondern ich spüre diese Sehnsucht tief in mir. Ich sehne mich nach Zärtlichkeit, nach Beständigkeit und unmittelbare Liebe. Dieses Gefühl lässt sich kaum beschreiben. Es ist nicht mehr nur das Verlangen nach einem Mann, sondern ein tatsächliches Gefühl in meiner Brust. Wie eine Verengung in meiner Brust, die sich nur durch das emotionale Zusammensein mit einem Mann lösen lässt.

Wie kann ich das so genau wissen? Ich weiß nicht, wie ich das so genau abgrenzen kann, aber es ist wie der Heißhunger auf ein bestimmtes Gericht oder eine Süßigkeit. Man weiß einfach, dass dieses Bedürfnis nur mit dieser einen Süßigkeit befriedigt sein wird und man schmachtet solange danach bis man es endlich hat.

Also bin ich da also. Seit 3,5 Jahren (verdammt wirklich 3,5? oder doch nur 2,5 Jahre?) Single und bin unglaublich unglücklich damit. Nichts was ich wirklich in meiner Hand habe oder selbst ändern kann. Es ist wohl das Schicksal, das über mein Glück entscheidet. Oder? Jetzt mal im Ernst, oder?? Kann ich dem Schicksal nachhelfen?

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Beziehungsangst?!

– März 2017 –

„Tut mir leid, dass ich dir absagen muss, aber ich hab gerade noch was auf den Tisch bekommen, das ich bis morgen fertig machen muss . Ich komme hier vor 19:00 Uhr nicht raus!“

Eine billige Absage, die ich gerade abgeschickt habe. Jedes Mal passiert das selbe. Ich lerne Jemanden kennen, finde ihn nett, er zeigt wirkliches Interesse, ich kriege Panik und sage ab. Ich bin wieder am selben Punkt und frage mich ernsthaft was ich eigentlich will. Eine Beziehung kann es nicht sein, wenn ich jedes Mal, wenn ein Typ Interesse zeigt, über alle Berge renne und mich total abschotte. Will ich dann tatsächlich Single bleiben? Jetzt in diesem Moment, in welchem ich noch immer totale Panik vor einem Treffen habe, das ich eben abgesagt habe. JA, auf jeden Fall.

Aber was ist mit den Momenten in denen ich mich alleine fühle? Mir wieder Jemanden herbei sehne mit dem ich zusammen sein kann. Was ist mit den Momenten, in denen ich mir Zweisamkeit wünsche? In diesen Momenten würde ich niemals mit „Ja“ auf diese Frage antworten.

Nehmen wir an, ich habe wirklich Panik. Dennoch bleibt die große Frage wovor. Verdammt wovor habe ich eigentlich Angst? Davor, dass ich schon wieder verletzt werde? Davor wieder zurückgewiesen zu werden? Möglicherweise. Was ist mit wer nicht wagt, der nicht gewinnt? Was ist mit meinem Hirn los? Bin ich etwa schon so verkorkst? Als Jemand der sehr offen über Gefühle redet, habe ich anscheinend viel zu sehr Angst welche zu empfinden.

Eindeutig ist, dass ich mit dem jetzigen Zustand nicht zufrieden bin. Ist es dann wirklich ein Mann, der mir fehlt?

 

 

 

 

 

Der Vibrator am nächsten Morgen

– Dezember 2016 –

Noch diese Woche habe ich Grey´s Anatomy geschaut und Izzy Stevens weiß ganz genau wie lange sie schon keinen Sex mehr hatte. Erst dann denke ich wieder daran und fange an meinen Fingern meine „enthaltsamen“ Monate zu zählen. Neun Monate. Neun Monate.

Nachdem mein Freitag Abend im Club eher erfolglos war, glaube ich nicht daran, dass aus meinem Pseudo-Date am Samstag noch etwas wird. Meine Mitbewohnerin hat ein „Date“ für mich errangiert. Ihr Kumpel ist seit kurzem wieder Single und da kam sie eben auf Ideen. Wir treffen uns in einer Wohnzimmer-Bar um die Ecke. Er sitzt bereits mit einem Kumpel dort und lächelt uns an. Seine Zahnlücke ist irgendwie sexy, was bestimmt nicht zuletzt daran liegt, dass er groß und muskulös ist. Ein hübscher Mann auf jeden Fall.

Nach einem Wein, Caipirinha, Gin Tonic, Bier und zwei Wodka-Melonen Shots beschließen wir zu gehen. Ich bin erstaunt, dass ich überhaupt noch laufen kann. Sie wollen noch in die Stadt. Ich und meine Mitbewohnerin ins Bett. Die Mitte ist noch ein Wein in unserem Wohnzimmer, mit der Hoffnung sie wieder ziemlich schnell aus der Wohnung zu bekommen.

In der Wohnung wird sehr schnell klar was aus diesem Abend wird. Ich schaffe es irgendwie in mein Zimmer, wo ich mich sofort in mein Bett lege. Herr DummimKopf (ohne Spoilern zu wollen) legt sich zu mir ins Bett. Leider versteht der Kumpel überhaupt nicht, dass er uns alleine lassen sollte und kommt auch in mein Zimmer. Wir unterhalten uns etwas, die Hände von Herr DummimKopf wandern unter der Decke zu meinem Hintern und gleiten immer weiter vor. Ich muss mich zusammenreißen, um nicht sofort loszustöhnen. Der Kumpel ist so schwer von Begriff, dass er sich sogar auf mein Bett setzt und weiter erzählt. Erst später als eine etwas längere Schweigepause eintritt, entscheidet er uns alleine zu lassen.

In dem Moment als er die Tür hinter sich schließt, reißt mir Herr DummimKopf die Strumpfhose herunter und arbeitet sich sofort mit seinem Mund heran. In Sekunden liege ich nackt vor Ihm. Nur einen kurzen Moment später schaffe ich es ihm die Hose auszuziehen und ihm ein Kondom in die Hand zu drücken. Seine Frage „Ob ich die Pille nehme“ ignoriere ich schlichtweg.

Er dringt zuerst langsam mit einem Finger in mich ein und massiert mich eine Weile, bevor er in mich eindringt. Er knabbert an meinen Nippeln, kommt hoch zu meinem Ohr und flüstert: „Wie soll ich dich nehmen?“. Meine Antwort ist klar und deutlich: „Tief und fest“. Er stößt genüsslich und fest in mich ein. Ich genieße jeden Stoß, lasse mich fallen und fühle bereits den Orgasmus,  der sich langsam in mir aufbäumt. „Ja, so gefällt es dir oder?“

Es ist so als ob mich jemand aus einem wunderschönen Traum gerissen hätte. Ich bin irritiert und weiß im ersten Moment nicht was ich darauf antworten soll. „Gefällt es dir?“ „Ehm ja, mach weiter!“. Er stößt noch einmal zu und ich lasse mich wieder langsam fallen und genieße jeden Kuss und jeden Stoß. „Oh ja. Du siehst so sexy aus.“ Intuitiv hätte ich am liebsten „Alter, halts Maul und fick mich einfach nur.“ gesagt, aber so gemein wollt ich nun doch nicht sein. Meinen Orgasmus ersehnend, flüstere ich als Antwort auf seine Fragen immer wieder ein leises „Ja“ und versuche mich wieder fallen zu lassen. Erfolglos.

Mit der Hoffnung die Kontrolle zu erlangen, versuche ich mich auf ihn zu setzen. Gerade als ich mich auf Ihn setzen möchte, sagt er „Blaß mir einen.“. Ich spitze meine Lippen und ziehe meine Augenbrauen hoch, lege meinen Kopf schief und frage mich ernsthaft, ob er das gefragt hat. „Ehm nö, ich will dich lieber reiten!“. Ich fange an ihn zu reiten und küsse Ihn, damit er nicht mehr reden kann. Trotzdem findet er kurze Momente um seinen Mund zu öffnen. „Warum nicht? Du hast so schöne Lippen. Die würde ich so gerne an mir spüren.“ Ich versuche seine Überredungskünste zu ignorieren, aber nach seinem fünften Versuch und meinem verschwindenden Lustgefühl kann ich nicht anders als zu sagen: „Im Ernst? Willst du wirklich mit mir diskutieren?“

Er hat wohl mit einer eher weniger aggressiven Antwort gerechnet. Er schaut mich sehr irritiert an. Ich lege mich neben ihn und sage, dass ich erst mal eine Pause brauche. Er zieht das Kondom ab, wartet aber nicht lange, um seine Hand zwischen meine Beine zu legen. Ich versuche ihm den Pullover ausziehen, den er immer noch anhat, aber ich bleibe erfolglos. Er legt sich auf mich und will schon in mich eindringe, als ich ihm das nächste Kondom in die Hand drücke. „Du nimmst doch bestimmt die Pille?“ „Das ist trotzdem kein Grund mit jemanden, den ich kaum kenne ohne Kondom zu schlafen.“ Während er sich das Kondom überzieht, sagt er schmollend „Ich lasse mich regelmäßig testen.“ Ich denke noch, dass das nicht unbedingt für ihn spricht.

Als er wieder mit Kommentaren wie „Du fühlst dich so gut an“ und „Du bist so hübsch“ anfängt, weiß ich genau, dass mein neun Monate entfernter Orgasmus sich noch weiter entfernt. Ich versuche die Sache schnell zu beenden und lasse meine Hand weiter runter gleiten, um ihn Anal zu stimulieren. Er fängt meine Hand ab und hält sie über meinen Kopf fest. „Sag mir was du willst?“ Ich denke mir nur, dass der Zug nicht nur abgefahren, sondern schon weit weit weg ist. Ich bin ehrlich und sage ihm, dass es bei mir nichts mehr wird, aber er weitermachen soll.

Nach fünf langen Minuten stoßt er ein letztes Mal zu, zieht sich aus mir raus und steht im gleichen Moment auf. Ich weiß nicht so genau, ob ich erleichtert oder irritiert sein soll. Als er seine Hose anzieht und ich sehe, dass er sogar noch seine Socken an hatte, beiße ich mir auf die Lippe und denke mir „Bist du eigentlich dumm im Kopf?“ Er fängt an zu schwafeln und frägt ob wir uns wieder sehen. „Äh Entschuldigung, aber ich bin nicht diejenige, die instant aufgestanden ist, um sich anzuziehen.“ „Ich muss morgen früh raus und hab noch so viel zu tun.“ Ich schalte auf mimimi und schließe die Augen.

Am nächsten morgen wache ich etwas wund, aber immer noch unbefriedigt auf. Ich drehe mich nach Links und sehe meine unscheinbare Box neben dem Bett. Ich greife rein, hole meinen treuen Vibrator raus und gönne mir meinen Orgasmus, der nicht aus der erhofften Quelle stammt.

Und dann…

– November 2016 –

Da steht er also. Grinst mich an. Ein „Hey“ und eine Umarmung. Seine Hand immer noch an meinem Arm. Wir unterhalten uns kurz. Er sagt uns wohin wir sollen. Ich seh ihn an, meine Gedanken andere, als mein Mund spricht. Liebe ich ihn? Wir lachen gemeinsam. Ich weiß es nicht. Vermisse ich ihn? Wohlmöglich. Ich will ihn. Nicht nur körperlich. 

Wir sehen uns ein paar mal auf der Party. Flirten. Immer mit Hautkontakt. Seine Augen. Seine Art. Liebe ich ihn? Wir trennen uns. Ich weiß es nicht. 

Ein Freund von uns beiden entschließt uns auf die Sprünge zu helfen. Sagt ihm, dass ich heute Abend noch was will. „Wenn sie wartet nehm ich sie auf jeden Fall mit. Ansonsten hole ich sie ab.“ Vorfreude. Ein Lächeln in meinem Gesicht. Vermisse ich ihn? Ja. Sicher!

Bei der Freundin Zuhause schreibe ich ihm, dass ich auf ihn warte. Er will mir schreiben, wenn er fertig ist. Später schreibe ich ihm, dass ich gleich einschlafe. Er sagt, dass er jetzt noch nich weg kann. Er schreibt mir, wenn er fertig ist. Eine Stunde später kommt endlich die Nachricht. Nicht die, die ich erwartet hab. „Geh jetzt noch einen Absacker trinken, geh danach heim. Hab morgen viel zu tun.“

Ich bin müde. Kann es noch nicht verarbeiten. Egal. Liebe ich ihn? Meine Augen fallen zu. Ich weiß es nicht. Es wird hell. Ich bin wach. Alleine. Auf dem Sofa. Ein kleines Stechen in der Brust. Egal. Noch kann ich es ignorieren.

Ich frage ihn was das soll. Nach fünf Stunden und keiner Antwort, wird das Stechen größer. Liebe ich ihn? Ja. Sicher! 

Wieder gefallen. Wieder in Trümmern.

Naaaa Quicky??

– November 2016 –

Es ist fast ein ganzes Jahr vergangen. Fast ein ganzes Jahr. Ich kann mich noch gut an letztes Jahr erinnern. An ihn. An die Zeit. Was hat sich seither verändert? An meinen Gefühlen? An meinem Leben? Während an der einen Stelle die Veränderung immens ist, ist sie an der anderen genau gleich geblieben. Genau so scheint es zumindest.

Meine Gefühle zu ihm? Scheinen immer noch gleich. Viel zu oft denke ich an ihn. Bin verletzt, wenn ich Urlaubsfotos sehe, auf welchen er mit einer anderen zu sehen ist. Immer noch hoffe ich ihm zufällig auf der Straße zu begegnen. Meine größte Hoffnung? Eine Nachricht von Ihm.

Und dann letzten Donnerstag. Da ist es passiert. Eine Nachricht von ihm. Kurze Aufregung. Nur ganz kurz. Ich öffne sie. Ein Bild, welches ich in meine History auf Snapchat gepostet habe. In meiner Hand halte ich eine Karte mit der Aufschrift „Quicky?“ und lächle währenddessen frech in die Kamera. Seine Nachricht oder viel mehr seine Frage dazu: „Echt jetzt?“.

Verwirrung und Freude mischen sich. Der Nachrichtenverlauf gestaltet sich kurz ohne wirklichen Sinn. Fragen bleiben offen. Wie immer.

Glück

– Mai 2016 –

Herr Busch ist da, genau neben mir. Ich lächele rüber zu ihm, er lächelt zurück. Mein Herz geht auf. Wir unterhalten uns. Wieder über alles und nichts. Lachen viel. Schauen uns viel zu lang in die Augen. Es ist dunkel, aber sehr bequem. Ein kuscheliges zweier Sofa, auf der wir uns breit gemacht haben. Sein Arm liegt um meine Schultern. Ich fühle mich geborgen, es ist warm. Ich schaue hoch zu ihm, er zu mir runter. Unsere Lippen treffen uns irgendwo in der Mitte. Der Kuss ist sinnlich, langsam und unglaublich zärtlich. Seine andere Hand schmiegt sich um mein Gesicht. Ich schaue ihm nochmal in die Augen. Er schenkt mir sein verschmitztes Lächeln. Ich fühle mich geliebt. Geborgen. Ich schließe die Augen, nehme sein Gesicht in meine Hände und küsse ihn wieder. Bekomme nicht genug von ihm.

Ich öffne langsam die Augen. Ich bin mit Glück erfüllt. Zufrieden. Meine Augen sind offen und alles was ich sehe ist das Bücherregal gleich neben meinem Bett. Ich werde leicht hysterisch. Ein unglaublich dumpfes Gefühl breitet sich in meiner Brust aus. Ich will es nicht realisieren. Nicht realisieren, dass es nur ein Traum war. Ich sehne mich in diesen Moment zurück. Ich sehne mich nach diesem Gefühl. Ich schließe die Augen. Hoffe wieder in den Traum einsteigen zu können. Mein Wecker klingelt und nimmt mir alle Möglichkeiten. Tränen steigen mir in die Augen. Enttäuschung. Ich beiße meine Zähne zusammen und stehe auf. Ausgelaugt.

Mein erster Traum mit Herrn Busch. Ich sehne mich nach einem weiteren und habe gleichzeitig Angst davor. Mein einziger Wunsch? Es soll aufhören.

Drachen oder Methamphetamin

– Februar 2016 –

Ich fühl mich komplett ausgelaugt. Keine Energie. Keine Motivation. Ich brauche dringend Ablenkung. Ich brauche dringend etwas Wärme, etwas was mich zum Lächeln bringt. Am liebsten würde ich Herr Busch schreiben. Einen Abend mit ihm verbringen. Die Thesis einfach vergessen, zumindest für einen Abend.

Wie lerne ich am Besten einen Kerl kennen, ohne dass eine Party stattfindet? Ich weiß nicht wie ich darauf kam, aber aus dem nichts kam ich auf die irre Idee Tinder runterzuladen. Ich hatte vorher noch nie getindert. Hatte auch vorher noch nie ein Blind-Date, soweit man das noch so nennen kann. Die App ist runtergeladen. Ich bearbeite kurz mein Profil und lege sofort los. Swipe viel zu oft nach links, lache mich hin und wieder kaputt, als bekannte Gesichter auftauchen, selten wische ich mal nach rechts , wenn mir einer gefällt.

Aus irgendeinem Grund schreibe ich an dem Tag noch mit Lucy. Sie bekommt daraufhin auch Lust zu tindern. Also tindern wir zusammen, lachen über die ganzen Kerle, bis Lucy auf die ultimative Idee kommt, uns einen „Opener“ auszudenken. Wir grübeln eine Weile bis wir den perfekten Opener gefunden haben. „Drachen oder Methamphetamin?“ Mit dieser Frage sprechen wir jeden Match an. Die Antworten reichen vom Drogenkonsum, bis zum eigentlich gemeinten Serienjunkie. Gerade als ich noch einmal die Frage stellen wollte, bekomme ich eine Nachricht.

„Hey. Bist du die Kellnerin von gestern in der Bar XY?“ Neee, bin ich nicht. Ich denk mir nichts weiter bei ihm und lasse ihn erst Mal, obwohl er ein ganz schöner Schnuckel ist. Stattdessen lache ich über die lustigen Antworten auf die Frage und scheibe währenddessen immer wieder mit Lucy. Erst viel später schreibe ich wieder mit dem Kerl, der mich für die Kellnerin hielt. Wir schreiben erst mal nur ein wenig hin und her. Ich erzähle ihm, dass ich gerade Private Practice gucke und er macht sich lustig darüber und fragt ob ich noch Sekt dazu trinke. Wir flirten schon richtig krass und es wird immer später. Mir wird klar, dass heute kein Date mehr drin ist.

Wir schreiben am nächsten Tag weiter und er verspricht mit mir Private Practice bei einer Flasche Sekt zu gucken, falls ich fünf weitere Seiten an meiner Thesis schaffe. Gegen Abend finde ich es etwas seltsam, mit jemand Fremden eine Serie zu gucken und ich schlage vor in die Bar zu gehen und danach zu schauen was sich ergibt.

Um 20 Uhr steht er mit seinem Auto vor meiner Haustür. Ich gehe runter, finde es etwas seltsam jemand Fremdes zu treffen. Mein erstes Blind-Date fällt mir wieder ein. Wir umarmen uns und steigen ins Auto. Etwas seltsam, dass wir überhaupt mit dem Auto fahren, in meiner kleinen Unistadt ist alles innerhalb von 10 min zu Fuß zu erreichen. Das Auto ist zumindest schön warm. Meine Analyse startet. „Hmm er sieht nicht schlecht aus. Etwas klein, aber nicht zu klein. Seine Kette ist etwas seltsam. Nicht unbedingt volles Haar. Schöne Hände. Gesprächig. Selbstbewusst. Etwas schmale Lippen. Uuuhh muskulös.“

In der Bar bin ich die einzige Frau neben der Kellnerin. Es wird Fußball gezeigt und die Bar, die eigentlich eher eine Kneipe ist, ist voller Männer im Fußballfieber. Wir unterhalten uns viel über die Uni und Jobs, die wir mal hatten. Als mein Cocktail leer ist, schlage ich vor zu zahlen. Er zahlt gleich alles und wir machen uns auf den Weg nach Hause. Vor meiner Haustür frägt er mich: „Geht der Abend noch weiter oder endet er hier?“ Die Pluspunkte überwiegen die Mängel und ich lade ihn ein. Zu meiner Überraschung packt er eine Flasche Sekt aus, die ich auch sofort oben öffne.

Wir zappen ziellos durch die Kanäle, bis er aus dem Nichts seinen Arm um mich legt. Meine Kopf ist jetzt an seine Schulter angelehnt und ich mache mir schon Gedanken, wie ich es hinkriege, dass wir uns küssen. Mir geht das alles viel zu langsam, also drehe ich mich einfach zu ihm, schenke ihm ein laszives Lächeln und küsse ihn. Mein lasziver Blick verwandelt sich in einen erstaunten Blick. Seine Zunge steckt mitten in meinem Hals und ich glaube er würde tiefer gehen, wenn ich nicht ausweichen würde. Ich muss mich unglaublich bemühen, damit ich nicht immer einen Meter Zunge im Mund stecken habe. Während dem „knutschen“ mache ich mir Gedanken, wie ich ihm in netten Worten sage, dass man so nicht küsst. „Entschuldigung, das funktioniert so nicht.“ Ne das kann ich so nicht sagen. Hmm „Hey, nicht so stürmisch.“ sollte klappen.

Mein „Hey, nicht so stürmisch“ scheint er erst mal verstanden zu haben. Jetzt benutzt er nicht mehr ganz oft die Zunge. Das Küssen gefällt mir etwas besser, aber so richtig gut wirds wohl auch nicht mehr werden. Ich stehe auf und führe ihn in mein Zimmer. Ich möchte mich direkt ins Bett legen, da zieht er mich an meinem Arm wieder zu sich und küsst mich wieder. Ich greife ihm um den Hals und er zieht mich an meinem Hintern hoch, damit ich meine Beine um ihn klammern kann. Langsam läuft er so zu meinem Bett und legt zuerst mich hin und dann sich auf mich. Der „Move“ gefällt mir ziemlich gut und schmunzele deswegen etwas in mich. Es geht ziemlich schnell und schon liegen wir nackt da.

Er ist sehr muskulös, etwas zu sehr. Zu hart, zu unweich, so weiß. Ich steh ja echt nicht auf Südländer, aber Mr Sekt ist wirklich Frischkäse-Weiß, da kann es schon etwas mehr Farbe geben. Von mir bekommt er zwar keine Komplimente, aber ich umso mehr von ihm. Wow deine Figur. Wow, deine Brüste. Wow, dein weiß-Gott-was. Kann ich ja gar nicht haben. Ich hasse oberflächliche Komplimente und versuche ihn deshalb leise zu bekommen. Ich gebe ihm ein Kondom, damit er es sich überstülpen kann und endlich aufhört zu reden. Mein Plan geht auf.

Ich fange direkt an zu stöhnen, als er in mich dringt. Es dauert nicht lange bis ich zum Höhepunkt komme. Es ist kein besonders toller, aber es ist einer. Er setzt mich jetzt auf mich und ich gebe mein Bestes, um auch ihm die Befriedigung zu geben. Es dauert eine gefühlte Ewigkeit und ich habe langsam keine Lust mehr. Ich lege mich auf meinem Rücken und ziehe ihn wieder auf mich mit der Hoffnung, dass er mit seinem Rhythmus schneller geht. Es dauert immer  noch zu lang. Er stöhnt mal lauter, wird schneller und sackt dann wieder ab und wird langsamer. Mich nervt das ganze nur noch, also versuche ich mit meinem Finger nachzuhelfen. Hat ja auch schon bei Herrn Busch funktioniert. Langsam streiche ihm über den Rücken und gleite langsam zwischen seine Pobacken. Gerade als mein Finger sein Ziel gefunden hat, setzt er sich auf und sagt: „Das funktioniert einfach nicht.“

Ich bin etwas erschrocken und verwirrt, was denn mit dem passiert ist. Tja, dann will der das halt nicht ausprobieren. Meine Gedanken gehen für einen Moment zurück an Herrn Busch, bevor ich ihn vermissen kann, zieht mich Mr Sekt zu sich und nimmt mich in seinen Arm. Mein Körper versteift sich komplett. Ich traue mich nicht mich zu bewegen, sein Griff um meine Schulter ist zu fest. Er lässt mir gar nicht den Raum das Kuscheln abzuwenden, also lasse ich es zwangsläufig zu. Mein Kopf auf seiner Schulter, mein Körper ganz nah an seinem. Unsere Körper kleben fast schon aneinander, aber sobald ich mich bewege und erwarte, dass sein Griff lockerer wird, hält er mich nur noch fester.

Ich halte es vielleicht zehn Minuten aus und versuche eine zweite Runde in die Gänge zu bringen, damit es zu Ende geht. Mit Erfolg. Ich reiche ihm wieder ein Kondom. Ich komme nicht wirklich in Fahrt und gebe mir kaum Mühe die richtige Stellung zu finden. Ich will nur noch, dass er kommt und dann so schnell wie möglich geht. Auch dieser Plan geht mit viel Anspannung auf. Diesmal stehe ich sofort auf, damit es nicht wieder zu diesem Kuscheln kommt. Ich ziehe mir einen Slip über und gehe aufs Klo, mit der Hoffnung, dass er angezogen ist, wenn ich wieder komme.

Er ist es leider nicht. Ich lege mich noch Mal kurz ins Bett, so weit wie möglich von ihm weg. Wir plaudern noch ein wenig und etwas später fängt er an sich anzuziehen. Ich kann mein erleichtertes Seufzen zum Glück zurückhalten. Ich bringe ihn noch zur Tür und gehe danach duschen. Ich gehe die letzten Stunden noch ein Mal unter der Dusche durch. War das wirklich nötig? Fühl ich mich wirklich besser? Ich fühl mich wieder komplett ausgelaugt. Bin leer.

Ich entscheide, sowas nicht noch Mal zu tun.