Der sexlose Gastgeber (der gar nicht mehr sexlos ist) – Teil III

– April 2015 –

Ein sehr schweigsamer und peinlicher Moment zieht sich durch. Damit das ganze nicht noch peinlicher wird, als es schon ist, versuche ich krampfhaft das Schweigen zu brechen. Ist es nicht eigentlich üblich, dass der Kerl danach was sagt? Warum muss ich das tun? Ich überlege viel zu lang was ich sagen könnte, zumindest kommt mir jede weitere Sekunde wie eine Ewigkeit vor. Also kuschel ich mich an ihn, versuche ihm zu zeigen, dass es vollkommen in Ordnung ist. Wenn ich ihm jetzt noch unnötig ein schlechtes Gewissen mache, habe ich später noch weniger davon.

Meine Strategie geht wohl auf 🙂 Kurz später fangen seine Hände an mich erneut zu erkunden. Diesmal schenkt er nicht nur meinen Brüsten genug Aufmerksamkeit… Seine Finger sind unglaublich geschickt und es hätte nicht sehr lange gedauert bis ich so zu einem Orgasmus gekommen wäre, ich will ihn aber noch einmal in mir spüren und ziehe ihn erneut auf mich. Bei ihm muss ich keine Vorarbeit leisten. Eigentlich musste ich bei keinem der Männer mit denen ich geschlafen habe, zwingend Vorarbeit leisten.

Die zweite Runde geht zwar etwas länger, würde aber eher als Quickie durchgehen. Zumindest bin ich diesmal auf meine Kosten gekommen. Die Erleichterung in seinem Gesicht war nicht zu übersehen, als ich gekommen bin.

Als er später nach Hause geht, bin ich mir nicht sicher ob ich ein Folgetreffen möchte. Immerhin lege ich es bei Männern immer darauf an, eine „Sexbeziehung“ zu führen, weil ich mit One-Night-Stands auf Dauer nicht glücklich werden würde. Noch in der gleichen Nacht mach ich mir Gedanken darüber über was wir uns alles unterhalten haben. Ein Mann, der regelmäßig Ausstellungen besucht und mindestens genauso sehr wie ich ein Kunstliebhaber ist. Genau dieser Punkt bringt mich dazu ihn zumindest noch einmal zu treffen.

Ich schreibe ihm paar Tage später. Normalerweise würde ich warten, bis er sich meldet, aber ich schreibe es der peinlichen Situation letztes Mal an, dass er sich nicht meldet. Er stimmt einem Folgetreffen zu und möchte wissen ob ich spontan sei. Klar bin ich spontan. Für Sex schaufel ich mir fast immer Zeit frei 😀 Das sag ich ihm aber nicht. Da ich aber mit seinem Busch nicht klar komme, suche ich mal wieder nach Worten es ihm zu sagen, ohne dass er sich angegriffen fühlt. Ich entscheide mich für die direkte Variante und sage ihm, dass ich es Untenrum rasiert mehr mag. Nachdem solche Sätze wie „Oh ich hab gehofft, das ist schon wieder Out!“, „Dann fühle ich mich ja wieder wie 12.“ und „Meine Exfreundin wollte es immer gestutzt, wäre das auch in Ordnung?“ fallen, gebe ich mich mit gestutzt zufrieden, wobei ich ihm gerne klar gemacht hätte, dass es mir vollkommen egal ist wer was wie wollte, solang ich es anders will. Es geht ja gerade auch um mich!

Das Folgetreffen findet leider erst eine Woche später statt. Wir sind mal wieder in der wöchentlich stattfindenden Studentenparty. In der Bar bekomme ich eine Nachricht von ihm, ob wir gehen wollen. Na klar! Umso lustiger, wenn meine WG noch unterwegs ist.

Als wir in meinem Zimmer sind, fangen wir sofort an uns zu küssen. Wir halten es erst mal für unnötig zu reden. Es geht sehr stürmisch zu, wir sind jetzt schon bereit, ohne dass wir ganz ausgezogen sind. Kaum sind wir ausgezogen, gebe ich ihm ein Kondom und der Tanz geht los. Seine Bewegungen sind diesmal unglaublich energisch und fest. Ich rechne schon die ganze Zeit mit dem Ende, aber stattdessen dreht er mich um und nimmt mich von hinten. Er packt immer wieder mit seinen Händen meine Hüfte und stoßt fest zu, dazwischen vergisst er nicht meinen Kitzler und meine Brüste zu stimulieren.

Auf einmal klingelt es an der Tür, ich versuche den Ton unserer ohrenbetäubenden Klingel zu ignorieren, aber es klingelt immer wieder und ich bin vollkommen raus. Ich deute ihm an es bald zu beenden und spanne noch etwas an, damit es noch schneller geht. Ich denke, dass es meine Mitbewohnerinnen sind, die ihre Schlüssel nicht dabei haben und ziehe mir nur meinen Bademantel an, ohne mir wirklich Mühe zu geben, die „Spuren“ zu verwischen. Als ich die Tür öffne ist niemand zu sehen, sodass ich kurz den Namen meiner Mitbewohnerin rufe. Nichts.

Gerade in meinem Zimmer angekommen, lasse ich meinen Bademantel meine Arme runtergleiten und möchte damit die zweite Runde anleuten, aber es klingelt schon wieder. Ich ziehe ihn mir schnell wieder an und gehe genervt zur Tür. Als ich schon zicken wollte, erkenne ich meine beiden Nachbarn von gegenüber. „Bist du nackt?“ „Sie hat einen Bademantel an, sieht du das nicht?“ Auf den einen stehe ich schon länger und habe ihn schon oft oben ohne gesehen und mir schon oft vorgestellt wie es mit ihm wohl wäre. Er ist aber wohl irgendwie Asexuell und ist noch nie auf meine Flirtversuche eingegangen. Hmm… ‚Nein, Hayat!‘

Nachdem ich ihnen Kaffee ausleihe, warum man auch immer mitten in der Nacht Kaffee machen will, schicke ich sie nach weiteren Fragen warum ich den einen Bademantel anhabe, ob ich denn schon geschlafen habe, mit der Antwort „Jungs, ich habe Besuch! Raus mit euch!“ weg. Das Kichern auf dem Hausflur ist auch nicht dann zu überhören, als ich die Tür schließe. Geil war das jetzt nicht 😀

Ich erzähle noch Herrn Busch was vorgefallen ist und wir lachen über die peinliche Situation. Jetzt bin ich wieder erstaunt darüber wie der Sex mit ihm war und starte die nächste Runde. Er ist wieder sehr energisch und es kommt mir so vor als ob ich letzte Woche mit jemand komplett anderem geschlafen hätte. Zufrieden schlafe ich danach in seinen Armen ein.

Am nächsten morgen wachen wir beide durch seinen Wecker auf, leider hat er keine Zeit für Morgensex, sodass ich einfach liegen bleibe und ihm beim anziehen angucke. Als später eine Freundin vorbeikommt, guckt sie mich fragend an, als sie den Kaffeebehälter auf dem Boden und das eingeklemmte Kondom an der Tür entdeckt. Ich schaue grinsend zu der Nachbarstür und freue mich über das Kondom, das ich bestimmt bald benutzen werde.

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18 Gedanken zu “Der sexlose Gastgeber (der gar nicht mehr sexlos ist) – Teil III

      1. Der heftige Orgasmus liegt in der Tatsache und vom Zeit und Raum unabhängig ist.)))
        Wenn du durch die äußerliche Störungen eingeschränkt bist, dann bleibst du bei One-Night-Stands dauerhaft unglücklich.

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      2. Liegt wohl auch daran, dass ich beim Sex nicht unbedingt einen Orgasmus brauche um zufrieden zu sein. Für mich ist die Nähe und das Zwischenmenschliche mindestens genauso wichtig 😉 und da bin ich natürlich durch äußerliche Störungen eingeschränkt, wobei ich das nicht als negativ betrachte 😉

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      3. Der richtige ist sehr gefährlich und du willst ihn nicht!
        Der richtige kann deine Gefühle aus dem Konzept bringen, aus dem Grund nimmst du die Pille, Kondom und rasierst.
        Das nennst du zwischenmenschlich)))
        Du bist mir zu modern zu industriell)))

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      4. Das bin ich für dich! Für jemand anderen bin ich offen und gefühlvoll… Was ist das Problem dabei modern und industriell zu sein, wenn ich mich dabei wohl fühle und glücklich dabei bin!? Jeder für sich, jeder so wie er sich am wohlsten, glücklichsten fühlt.

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      5. Schön, dass du mit deinem Weg so glücklich bist, dass du andere davon überzeugen willst. Du musst ja am Besten wissen wer wie glücklich ist 👍🏼

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