Kein Kuss zum Abschied

– Januar 2015 –

Es ist Mittwoch und wir gucken mit meinen Mitbewohnerinnen Bachelorette. Einfach nur um zu lästern und uns über die Leute lustig zu machen. Danach kann man immer so entspannt ins Bett, außerdem wurde heute noch ein kleines Stück meines Herzens gebrochen. Da brauche ich eben etwas Gesellschaft und muss mich erst mal auf andere konzentrieren. Ich beschäftige mich erst später wieder mit meinen Gefühlen. Ja, ich bin selber schuld. Ich lasse manchmal Gefühle zu, obwohl ich das lieber nicht tuen sollte. Wirklich schlauer werde ich danach nicht, weil ich gerne Gefühle zulasse und so erst merke, dass ich lebe. Zum Leben gehört eben Glück und Schmerz.

Pi ist schon lang nicht mehr nur Sex für mich. Ich hatte ihm schon vor den Weihnachtsferien gesagt, dass ich anfange mehr für ihn zu empfinden und habe deswegen den Kontakt abgebrochen. Ich hatte nach unzähligen Filmeabenden, Besuchen und seinem selbstgemachten Pudding gedacht, dass er möglicherweise auch so empfindet. Leider war es eben nicht so. Nach den Ferien, zwei Wochen Kontaktstille, hatte ich dann aber doch zu viel Lust auf Sex und meldete mich bei ihm. Die einfachste Lösung, als sich jetzt erst wieder jemand Neues zu suchen.

Ich hatte mich selbst wieder unter Kontrolle. Ich war zwar schon im Dezember traurig darüber gewesen, aber gleichzeitig wieder glücklich, weil ich jetzt die Sicherheit hatte über mein Ex hinweg zu sein. Jetzt nach wieder knapp einem Monat, empfinde ich zwar nicht weniger für Pi, aber zumindest interpretiere ich nicht in jede Handlung irgendwas rein. „Du wirst nie wieder mit mir reden, oder?“ Eine Nachricht blinkt auf meinem Handy auf. Meine Mitbewohnerin hat gestern herausgefunden, dass er wohl mit mindestens einem anderen Mädchen während mir geschlafen hat. Ich schrieb sie danach auf Facebook an und redete mit ihr über ihn. Er zog wohl genau das selbe mit ihr ab, wie mit mir auch. Wollte zwar nichts festes, aber baute eine intime Beziehung auf. Nicht zu vergessen ist, dass er sowohl mit mir als auch mit ihr ausmachte mit keiner anderen zu schlafen. Wir wollten uns treu bleiben. Stattdessen führten wir eine Dreiecksbeziehung, wovon zwei von drei Personen nichts wussten.

Ich wurde schon wieder betrogen. Ein kleiner Stich in mein Herz. „Nein, ich werde dir allerhöchstens eine ziehen, wenn ich dich sehe.“ „Das kannst du auch jetzt. Ich würde gerne noch Mal mit dir reden. Zumindest hast du das verdient.“ Also gut, besser könnte man mit so einer Situation nicht umgehen. Er steht zu seinen Fehlern.

In meinem Zimmer sage ich ihm erst einmal meine Meinung und rede ihm ein gutes schlechtes Gewissen ein. Nebenbei schreibe ich mit der anderen um seine Aussagen zu checken. Zumindest lügt er jetzt nicht mehr. Er sitzt da wie ein kleiner Junge, der seiner Tat bewusst ist. Seine blauen Augen schauen traurig. Sie sind etwas rot. Ich frage mich, ob er sowas schon oft getan hat. Ich hinterfrage jeder seiner Handlungen, seiner Worte. Das Vertrauen ist weg. Während mein Mund spricht, beschäftigt sich mein Gehirn mit der Frage, wie ich ihm eine geben soll.

Verschiedene Szenarios spielen sich in meinem Kopf ab. Ich muss lachen und sage ihm, dass ich alles gesagt habe und keine Lust mehr habe sein Gesicht zu sehen. An der Tür drücke ich ihm eine Tüte mit seinem Hemd in die Hand. Kurze denke ich daran, wie ich ihn schon letzte Woche daran erinnert habe sein Hemd mitzunehmen. „Nein, das lasse ich noch hier. Dann muss ich noch einmal herkommen.“. Danach denke ich daran, wie ich heute Mittag ein großes Herz auf die Rückseite des Hemdes geschnitten habe. Wieder muss ich schmunzeln. Zu gern würde ich sein Gesicht sehen, wenn er das Hemd auspackt. Er dreht sich zum Lichtschalter um und ich nutze den Moment, um ihm mit voller Kraft eine Ohrfeige zu geben. Es klatscht ordentlich. Er zuckt zusammen, zieht die Arme hoch und läuft ein wenig zu schnell die Treppen im dunkeln runter.

Mein Schmunzeln wird zu einem richtigen Lächeln. Nein, diesmal gibt es keinen Abschiedskuss.

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