Unangenehme Begegnungen

– September 2015 –

Wann merkt man, dass man umziehen sollte? Ich würde sagen, wenn man in einem Raum mit 20 Personen sitzt und schon mit zwei Personen geschlafen hat. Es passiert mir nicht zum ersten Mal, dass ich irgendwo bin und am gleichen Ort mindestens zwei Personen treffe, mit denen ich geschlafen habe, aber es waren eher Parties und keine Vorlesungsräume. Ich habe nun wirklich nicht mit sehr vielen Männern geschlafen, aber mein Studienort wird gefühlt immer kleiner und die Kerle verdichten sich auf irgendeine Weise, die ich noch nicht wirklich begriffen habe.

Ich hatte heute meine erste Vorlesung nach den Semesterferien und ich hatte schon befürchtet ein paar bekannte Gesichter wieder zu sehen. Auf dem Weg zur Hochschule erzähle ich meiner Mitbewohnerin, die das gleiche Wahlpflichtfach gewählt hat wie ich, von meiner Befürchtung Pi wieder zu sehen. Gerade am Campus angekommen erkenne ich jedoch sofort den Hinterkopf von Herrn Lommelig. Ich hoffe an ihm vorbeilaufen zu können ohne, dass er mich sieht. Was mir nicht gelingt, weil sein Gesprächspartner zu mir schaut und mich begrüßt. Natürlich muss Herr Lommelig sofort aufschauen um zu sehen wer begrüßt wird. Im selben Augenblick als er mich erkennt wendet er sein Gesicht ab. Tja begrüßen tuen wir uns ja schon lange nicht mehr.

„Mehr als eine peinliche Begegnung werde ich ja bestimmt nicht haben.“ Ist mein Gedanke danach und setze mich neben meine Mitbewohnerin in die dritte Reihe. Was ich mir nicht gedacht habe ist, dass Herr Lommelig die gleiche Veranstaltung gewählt hat und sich gleich in die vierte Reihe setzen wird. Als ich ihn erkenne, finde ich die Situation zwar nicht schlimm, aber so ganz wohl fühl ich mich nun auch nicht. Kurze Zeit später finde ich die Vorlesung schon wieder so öde, dass ich beschließe mal durch den Raum zu gucken. Ich schaue absichtlich nicht nach rechts, weil ich weiß, dass Herr Lommelig rechts hinter mir sitzt. Erst jetzt bemerke ich, dass es links nicht besser aussieht.

Unsere Blicke treffen sich, ich erstarre, sofort gucken wir wieder woanders hin. Pi ist wieder da. Ein Semester habe ich ihn nicht gesehen, weil er im Praxissemester war. Jetzt sitzt wie aus dem nichts hinter mir. Ich würde zu gern wieder nach hinten schauen, ihn angucken und das Arschloch in ihm noch einmal erkennen. Stattdessen bleibt mein Blick weiterhin nach vorne gerichtet. Ich bemitleide mich selbst für diese unangenehme Situation und kann nicht anders, als meinen Freundinnen zu schreiben. Ein schlichtes „Es könnte schlimmer sein.“ tröstet mich ein wenig. Ja klar, es könnten ja auch drei oder aber auch vier von den Männern hier drin sitzen oder sie könnten alle nebeneinander sitzen oder sie könnten nebeneinander sitzen und anfangen zu lachen. Ich sollte aufhören mit Männern aus meiner Fakultät zu schlafen.

Ich bin erleichtert, als die Vorlesung zu Ende ist und wir uns mit ein paar anderen Leuten am Campus unterhalten. Jetzt sind sie beide weg. Ich fühle schon wieder viel wohler und bin sofort lockerer. Meine körperliche Anspannung steigt wieder auf dem Weg nach Hause. Ich erkenne ihn, eine Bekannte von mir und zwei andere Jungs. „Sollen wir die Straßenseite wechseln?“ meine Mitbewohnerin ist ja richtig süß! Ich wechsel doch keine Straßenseite, ich rempel ihn wenn überhaupt noch an, aber ich wechsel doch keine Straßenseite 😀 Hach ja das ist ja wieder mein Selbstbewusstsein.

Wie soll es auch anders sein die Bekannte muss mich unbedingt auf die Veranstaltung ansprechen, in der sie gerade auch war. Ich bleibe neben Pi stehen, würdige ihm keinen Blick und rede mit ihr als gäbe es nichts unangenehmes an dieser Situation. Als wir wieder entscheiden weiter zu laufen, kann ich es nicht lassen und schaue zu ihm. Warum ist er eigentlich soooo hübsch? Ein paar Meter nach der Begegnung bin ich selbst erstaunt, als ich wieder ausatme. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass ich die Luft angehalten habe.

Es hätte alles schlimmer sein können, das stimmt schon, aber zu wissen, dass morgen noch eine unangenehme Begegnung bevor liegt, macht mich nicht unbedingt glücklicher.  Warum musste ich auch ein Pflichtfach des Studiengangs wählen, in dem Herr Busch drin ist? Achja, weil das Fach marketingbezogen ist und ich in diese Fachrichtung möchte. Zumindest habe ich dann schon Mal drei Begegnungen hinter mir.

Dabei hätte ich gerne nur eine Begegnung und zu der gehört kein anderer als Mr Big.

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5 Gedanken zu “Unangenehme Begegnungen

  1. Auf diese Weise kannst du schon mal trainieren, dass neben dem „nicht mit Kerlen aus der eigenen Fakultät schlafen“ ganz, ganz wichtig ist: „nicht mit Kerlen schlafen, mit denen ich beruflich zu tun habe“.

    Wobei das für den Rest ja immer ganz interessant mit anzusehen ist ;-).

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  2. Du hast es echt nicht leicht in deiner Popelunistadt 😀
    Ich habe mir gestern aber auch überlegt, dass ich am besten das Land verlassen werde, wenn ich mit der Uni fertig bin. Wie unangenehm das wäre, wenn irgendwer der Typen irgendwann mal mein Chef ist oder so.

    Aber hihi ich habe gerade gestern erst wieder Mr Unerfahren gesehen. Er lief vor mir und hatte ein Date. Er trug eine Kappie und sie haben Eis gegessen. Hach, da wollte ich ja schon ein bisschen nachhelfen, damit er nicht mehr so unerfahren bleibt 😀

    Gefällt 2 Personen

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