Frühjahrsputz

– November 2015 –

Letzten Samstag war Pi bei mir. Wir haben gemeinsam einen Film geschaut. Anfangs lagen wir nur nebeneinander, dann später habe ich mich auf die Seite gelegt und ihm meinen Rücken zugekehrt. Er lag dann irgendwann auch auf der Seite. Da lagen wir also in Löffelchenstellung nur mit 20 cm Abstand zwischen unseren Körpern. Ich bin es wieder, die ein wenig näher rückt, sodass wir endlich kuscheln können.

Wir kuscheln die ganze Nacht, bis wir beide einschlafen. Im Kopf habe ich immerzu Herr Busch. Denke daran wie schön es wäre, mit ihm hier zu liegen. Versuche mich durch die Wärme von Pi davon abzulenken. Es klappt gut.

Am nächsten Morgen wache ich durch die zarte Berührung von Pi an meiner Schulter wach. Ich tue so als würde ich noch schlafen, genieße die feinen Schnörkelberührung seiner Finger an meinem Schulterblatt. Nur wenig später zucke ich leicht und er zieht ruckartig seine Hand zurück. Ich muss lächeln. Drehe mich zu ihm. Lege meinen Kopf auf seine Brust und flüstere ein „Guten Morgen“.

Während er meinen Rücken streichelt, streichle ich seine Brust. Dösen immer wieder ein und wachen dann wieder auf. Aus dem Nichts packt er mich an der Taille und zieht mich hoch, sodass mein Kopf genau vor seinem liegt. Das Bedürfnis ihn zu küssen ist auf einmal so groß. Ich nähere mich und setze einen Kuss an. Keine Erwiderung. Kein Kuss von seiner Seite. Stattdessen zieht er seinen Kopf hoch und legt sein Kinn auf meinem Kopf ab. Ich bin verwirrt. Kann mich nicht sortieren. Was ist da eben passiert?

Kurz bevor wir beschließen aufzustehen, nimmt er kurz sein Handy in die Hand. Ich wollte wirklich nicht auf sein Handy schauen, aber ich tat es trotzdem. Meine Enttäuschung bricht sofort über mich ein, als ich das bekannte Logo von Tinder und Lovoo auf seinem Bildschirm sehe. Ein ungutes Gefühl macht sich in mir breit, in diesem Moment ist mir klar: Pi ist ab jetzt Vergangenheit. Verarschen lasse ich mich nicht nochmal. Bei jedem anderen würde ich denken, dass die Apps nur aus Spaß drauf sind, bei ihm nicht. Zu viel Unvertrauen. Zu viel Schmerz. Der Zweite ist aussortiert, ich lasse es ihn noch nicht wissen. Ich werde warten bis er sich wieder meldet.

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Ich hatte gestern Geburtstag. Herr Busch hatte mir am Nachmittag vor der Hochschule gratuliert, als er mich sah. Kribbeln in der Brust, im Bauch. Glücksgefühle. Spät am Abend, als wir aus der Bar gehen schreibe ich ihm:

„Ich will Geburtstagssex!“
„Aahh ich habe Besuch.“
„Ist mir egal. Ich habe noch eine halbe Stunde Geburtstag. Du kannst keinem Geburtstagskind nein sagen.“

Erst heute mittag antwortet er. Wir schreiben nur wenig. Es dauert ewig bis er antwortet. Sodass sich der Chat bis in den Abend zieht.

„Soll ich dich nach normalen Sex fragen, dass du anspringst oder willst du es komplett verweigern :P“
„Sorry, bin heute auf einen Geburtstag eingeladen, morgen bin ich hier und da, Donnerstag da und am Freitag fahre ich heim.“
„Normalerweise schlägt man dann „Ein anderes Mal“ vor, wenn man Interesse an einem anderen Mal hat.“

Das war um 16:37 Uhr. Bis 20:40 Uhr warte ich, als ich schreibe:

„Oder auch nicht…“

Da er die Gelesen-Funktion und die Zuletzt-Online-Funktion ausgeschalten hat, war ich mir zwar nicht ganz sicher, ob er es schon gelesen hat. Ich warte noch einen Moment und sehe das „Online“ unter seinem Namen. Warte noch einen kurzen Moment ob vielleicht eine Antwort kommt. Das „Online“ verschwindet wieder. Enttäuschung. Wie schnell aus einem flirtigen Chat Ernst werden kann… Ich bin sauer. Bin in meiner Entscheidung ihn nichts von meinen Gefühlen wissen zu lassen, bestätigt. Bestätigt wie noch nie. Wie simple Handlungen zu festen Entscheidungen führen können. Zu der Entscheidung führen auch ihn auszusortieren.

Ich bin sauer. Will auf einmal auch Klarheit von Pi. Will wissen warum er meinen Kuss nicht erwidert hat. Ich halte mich zurück. Ich bekomme eine Benachrichtigung von WordPress. „christophrox kommentierte auf…“ WordPress, nein Christophrox ist meine Rettung. Ich beschließe ein paar Blogs zu lesen, auf andere Gedanken zu kommen. Als ich den Blogeintrag von hafensolo lese, wird alles deutlich.

Warum auf eine Antwort warten? Warum sich noch weiter klein machen und nach einer Antwort bitten? Warum sich verrückt machen? Für was? Nicht wichtig genug zu sein für eine Antwort? Ist es nicht Antwort genug nicht zu antworten? Doch, das ist Antwort genug. Der dritte ist aussortiert.

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6 Gedanken zu “Frühjahrsputz

  1. Ah,
    die Frage bezog sich eigentlich auf den Geburtstag, nicht auf den Mann …
    Und formatieren – davon würde ich abraten. Dauert ewig und man fängt wieder ohne Erfahrung an. Das willst du nicht wirklich. Nutze eher deine Erfahrungen, die du (gemacht) hast – und mach was neues, schönes draus. Nun kennst du auch ein paar schlechte Seiten – das muß doch aber nicht bedeuten, dass das immer so oder nur so ist. Und immerhin hast du eine Weile Spaß gehabt.

    Und wäre dann nicht eigentlich hafensolo die Rettung?

    Gefällt 1 Person

      1. Ich muß gestehen, bei den Blogs, die ich grad lese, habe ich auch gedacht: „Hey, ist da jetzt bei allen die Krise ausgebrochen oder ist das immer die selbe Person?“ 😉

        25 – hach, was für ein Alter. Lang, lang ists her …

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