Hoffnung nach Aufmerksamkeit

– Dezember 2015 –

„Ich würde ihn gern löschen.“
„Mach!“

Außer der gelöschten Facebook-Freundschaft würde ich gern die ganzen Erinnerungen und Gefühle löschen können. Was hat es alles noch für einen Sinn? Keinen anderen als dieser Stich mitten in die Brust. Keinen anderen als einen Kloß in meinem Hals zu bilden. Manchmal muss ich sogar lachen, wenn ich an bestimmte Sachen denke. Das Lächeln verschwindet aber jedes Mal. Jedes Mal, wenn ich daran denke, dass es nicht wieder mit ihm vorkommen wird. Denke jedes Mal an ihn, wenn ich das Fenster öffne.

Ist es wirklich so schlimm? Ja. Nein. Eigentlich nicht. Vielleicht nicht. Aber vielleicht auch doch. Wie kann ich herausfinden, was wirklich in mir vorgeht? Ist es wirklich die Tatsache nichts intimes mehr mit ihm zu erleben oder ist es nur die erlebte Abneigung, die mich verletzt? Wie finde ich das heraus?

Eine Freundin fragte mich, ob ich ihn vermisse. Die Antwort ist genauso undeutlich. Vermisse ich die Intimität oder die Intimität mit ihm. Vermisse ich die Person oder einfach nur das Beisamen-Sein? Ich kann es nicht beantworten. Aber wenn ich nur das Beisamen-Sein vermisse, warum denke ich dann während dem Sex mit Pi an Herrn Busch?

Ja, ich hatte wieder Sex mit Pi. Dieser Kerl macht mich noch wahnsinnig. Bei jeder Berührung dachte ich „Du Arschloch weißt ganz genau wie du eine Frau anfassen musst!“. Ich kenne keine geschickteren Hände, als seine. Er weiß ganz genau, wann er weiter gehen muss. Gibt immer mehr, aber nicht genug. Weiß ganz genau, wie er mit wenigen Berührungen mich zum Orgasmus bringen kann. Der Sex mit ihm ist gut. Nein, sehr gut. Aber nicht außergewöhnlich. Nicht intim. Es gibt keinen, der mich öfter zum Höhepunkt bringt, als Pi. Trotzdem ist es nicht der intimste oder beste Sex. Es ist einfach nur Sex. Bedürfnisbefriedigung eben. Es rührt gar nichts in mir. Ich schaue ihn an und erkenne wie hübsch er ist, wie gut aussehend er ist, aber es rührt sich nichts in mir. Wenn er geht, bin ich nicht traurig. Ich habe kein Bedürfnis mit ihm danach zu kuscheln. Er ist Mittel zum Zweck.

Also vermisse ich Herrn Busch. Vermisse ich ihn? Vielleicht ja. Vielleicht fällt es mir leichter zu sagen, dass ich nicht ihn, sondern nur die Intimität vermisse. Die Intimität, die ich zwar nicht mit jedem haben kann, aber wahrscheinlich noch mit ein paar anderen als nur mit ihm. Gleichzeitig bin ich auf der Suche nach Schlupflöchern. Auf der Suche nach Erklärungen, wieso er nicht unbedingt mit ihr zusammen sein muss, nur weil sie zusammen auf einer Party Tee getrunken haben. Ich hoffe auf etliche Erklärungen, die nur in Filmen vorkommen, aber bei mir leider nicht zutreffen. Es ist schwer zu akzeptieren, dass er keine Gefühle für mich hat und wahrscheinlich nie hatte. Dass alles, obwohl es so intim war, nur Sex war. Dass ich sein Mittel zum Zweck war.

„Ich will sein Bild nicht jedes Mal in meiner Kontaktleiste sehen.“

Ich will ihn nicht mehr sehen. Möchte nicht daran erinnert werden. Ich möchte es mir einfacher machen, mit dem verdrängen. Also lösche ich ihn. Was hat es denn noch für einen Sinn? Stechen in der Brust, Kloß im Hals.

„Gelöscht.“

Die Gefühle bleiben. Das Stechen bleibt. Der Kloß bleibt. Hoffnung kommt dazu. Traumvorstellungen kommen dazu. Hoffnung nach Aufmerksamkeit. Eine Traumvorstellung wie er mir schreibt und wissen will, warum die Freundschaft gelöscht ist.

Advertisements

7 Gedanken zu “Hoffnung nach Aufmerksamkeit

  1. Ach,
    genieße doch vielmehr den Augenblick und das schöne Gefühl, dass du mit ihm hattest. Es wird so mit ihm nicht mehr vorkommen, akzeptiere es. Und erinnere dich an das Schöne zurück.

    Bringt doch nix und ändert nix, wenn du dem hinterherjammerst, was doch eigentlich ganz schön war. Nur eben nicht für die Ewigkeit.

    Gefällt mir

    1. Es gibt Tage, da kann ich es akzeptieren. Einfach so, ohne gejammer. Dann gibt es Tage an denen jammer ich. Jammer ich laut um mich selbst zu hören und eventuell so zu verstehen.
      Ja, es war schön. Es ist nicht schlimm, dass es nicht für die Ewigkeit war. Es ist nur schlimm, dass ich zu spät erkannt habe, was mit mir los war. Es wäre schlimm, wenn ich jetzt wieder zu spät erkenne was los mit mir ist. Deswegen jammere ich. Laut.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s