Wiederholung

– November 2015 –

Es ist später Nachmittag als ich nach Hause komme und entschließe ein Schläfchen zu machen. Was soll man sonst tun, wenn man eigentlich so viel zu tun hat, aber nicht weiß wo man anfangen soll? Naja müde kann man nicht arbeiten. Gerade als ich mich hinlege, bekomme ich ein Snapchat von Pi. Wir schreiben hin und her bis ich sage, dass ich mich noch ein wenig hinlege und er doch dazu kommen kann. Er antwortet nur, dass er in 10 Minuten bei mir ist. Ja, okeee. Das war jetzt eigentlich nicht so geplant, aber ein wenig kuscheln würde mir wahrscheinlich ganz gut tun. Wie absurd sich das anhört…

Als er da ist, legen wir uns gleich hin. Erst mal jeder auf seiner Seite. Ist mir zu blöd. Warum muss man denn immer alles so krass auf Anfang setzen, wenn man doch schon viel weiter war? Ich blende einfach aus, dass er meinen Kuss vor ein paar Wochen nicht erwidert hat. Ist jetzt egal, wird sich schon zeigen warum. In Löffelchenstellung liegend, streichelt er mir über die Taille, ich schmiege meine Hüfte immer mehr an ihn. Er ist unsicher oder tut einfach nur so. Ich drehe mich zu ihm und lege meinen Kopf auf seine Schulter. Er nimmt mich in den Arm und dreht sich auch zu mir. Ich lege mein Bein zwischen seine, wir bewegen uns nur sehr wenig, trotzdem steigt die Lust nach mehr. Nicht nur bei mir, wie ich fühle.

Unsere Gesichter sind auf gleicher Höhe. Wir schauen uns in die Augen. Ich kann nicht anders und denke an den letzten „Kuss“. Unsere Nasenspitzen berühren sich schon fast. Beidseitige Unsicherheit zieht den Moment in die Länge. Ich weiß nicht ob ich weiter gehen soll. Was solls, was hab ich zu verlieren? Ich rücke noch ein wenig näher mit dem Gesicht, ein kurzer Moment vergeht, als er das letzte Stück auf sich nimmt und mich küsst. Sehr zaghaft, sehr anständig, so wie ich es nicht von ihm kenne. Ich will mehr. Küsse nur ein wenig gieriger, als er sich schon wieder von mir abwendet.

„Ich kann das nicht.“

Wut steigt in mir auf. Warte ab. Ich weiß, dass ich nur austicken würde, wenn ich anfange zu reden. Ich schweige. Er schweigt.

„Du musst schon sagen warum!“
„Naja, ich habe dir letztes Jahr versprochen, dass ich mich bessern will und das tue ich auch wirklich. Ich habe da noch was mit einer anderen. Es läuft nicht wirklich was zwischen uns, aber sie erhofft sich glaube ich mehr. Es wäre unfair dir jetzt nichts davon zu sagen und den gleichen Fehler zu machen.“
„Ach und mich jetzt wie ne 16-Jährige Jungfer erst heiß zu machen und dann zu lassen ist wirklich besser?“
„Ja, aber ich genieße das hier auch voll und …“

Es ist mir egal. Die Wut verfliegt. Die Lust bleibt. Was tue ich hier überhaupt? Willst du das wirklich? Die Antwort darauf gefällt mir nicht. Herr Busch drängt sich in meine Gedanken. Nein. Ich ziehe mich in einem Rück wieder an Pi. Küsse ihn. Gierig. Er macht mit. Unsere Körper reiben sich aneinander. Gerade als ich sein T-Shirt ausziehen will, wendet er sich wieder ab. Ich kann nicht anders, die steigende Wut verwandelt sich in einen Lacher. Ich will nicht wissen, wie krank sich das anhören muss.

„Tut mir wirklich Leid, aber ich will nicht wieder der gleiche Depp wie letztes Jahr sein.“
„Der Trockensex mit mir macht dich aber zu keinem, oder was?“
„Doch, aber nicht so schlimm.“

Echt jetzt? Ist der irgendwie hängen geblieben? Was ist nur falsch mit ihm? Was ist eigentlich falsch mit mir? Warum will ich trotzdem noch mit ihm Vögeln? Ach ja, stimmt. Da war was mit Verdrängen und mentales Wrack und so.

„Ok. Wir haben uns geküsst. Du hast mir von einer anderen Tussi erzählt. Ich hab dich dann wieder geküsst. Was sagt dir das?“
„Dass es dir egal ist?!“

Ich würde am liebsten applaudieren und „10 Punkte für den Vollidioten“ schreien, aber ich schweige. Versuche ihm mit meinem Blick die Antwort zu geben.

„Ist es dir wirklich egal?“
„Keine Ahnung wie ichs dir noch zeigen soll.“

Mit einem Ruck zieht er  mich zu sich. Das was wir in den letzten Stunden nicht erreicht haben, holen wir jetzt auf. Nur in wenigen Minuten sind wir beide nackt. Seine Hand wandert tiefer. Er stützt sich auf einem Ellbogen ab, schaut mir in die Augen, schaut mir zu, was seine Hand bei mir hervorruft. Seine Finger gleiten nur zärtlich über meinen Kitzler, nur ein wenig weiter. Ich drücke meine Hüfte nach oben. Will mehr davon. „Dieses verschissene Arschloch weiß ganz genau was er da tut. Du scheiß Kack-Arschloch.“ Ich beiße meine Zähne zusammen, versuche meine Gedanken nicht laut auszusprechen.

Er macht genauso weiter. Gerade als ich ihn zu mir ziehen will, hört er selbst auf und legt sich auf mich. „Du scheiß Kack-Arschloch weißt ganz genau wann du den nächsten Schritt machen musst. Verfickte Scheiße warum schlaf ich überhaupt mit ihm?“ Statt es laut auszusprechen, packe ich ein Kondom aus und drücke es ihm in die Hand.

Es dauert nicht lange, als ich meinen ersten Höhepunkt erreiche. Danach auch nicht wirklich lange bis ich meinen zweiten Höhepunkt erreiche. Er ist immer noch erstaunt, wie leicht ich Kommen kann. Keine Ahnung warum das bei ihm so gut klappt, es macht mich etwas wütend. Er legt mich wieder auf den Rücken frägt noch mal ob ich fertig bin und zieht nach meiner Antwort meine Beine hoch und legt sie sich über seine Schultern. Schaut noch einmal runter zu mir, bevor er zustoßt. Fickt mich während er mir in die Augen schaut. „Warum tue ich mir das an? Du willst doch gar nicht mehr nur diesen dreckigen Sex. Du willst was anderes.“ Mit einem letzten festen Stoß beendet er den Sex. Ich meine Gedanken.

Ich bleibe noch einen Moment liegen, bis ich zu meiner Unterwäsche greife und mir etwas überziehe. Jetzt noch kuscheln, halte ich nicht aus.

„Eine Rauchen?“

Da ist sie wieder. Die Hayat, die nicht zeigt was in ihr vorgeht. Die, die alles überspielt, ablenkt. Nicht einsehen will. Sich selbst manchmal nicht versteht. Da ist sie wieder. Nur so lange bis ihr Bild zerbricht.

Advertisements

18 Gedanken zu “Wiederholung

  1. „Nur so lange bis ihr Bild zerbricht.“ – ja, Selbstbetrug (klingt vielleicht etwas hart) hat irgendwann ein Ende. Aber das hast du ja schon festgestellt. Ich kann das auch nicht gut – es soll ja echte Meister drin geben.

    Warum fällt – oder besser fiel? – es dir denn so schwer, dich selber bzw. deine Wünsche zu akzeptieren? Ist da wirklich die Angst, (wieder) verletzt zu werden so groß?

    Gefällt mir

    1. Nicht nur die Angst verletzt zu werden, sondern weil es so einfacher ist. Keine Verpflichtungen, nichts gezwungenes, das daraus nichts werden kann, ist mir erst viel später aufgefallen.
      Außerdem gabs da die Hoffnung, dass es wieder so wird wie bei meinem Ex. Wenn aus Sex wirklich Liebe wird. Auf eine ungezwungene und lockere Weise.

      Gefällt mir

      1. Aber wirst du dann auch glücklich, wenn du dich selber bzw. deine Wünsche nicht als solche akzeptierst bzw. berücksichtigst?

        Und aus Sex Liebe – okay. Aber wenn man sich vorher einig ist, dass es nur Sex ist bzw. du das so spielst, damit er das so glaubt? Hm.

        Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s