Fuchsschwanz-Plug. Entschuldigung was?

– Januar 2018 –

Die wenigen Sätze in seiner „wissenschaftlichen“ Arbeit haben bei mir Lust ausgelöst und ich richte mich mit Vorfreude für das Date. Ich springe nochmal schnell unter die Dusche und rasiere mich, um auf das was später eventuell folgt vorbereitet zu sein. Um 20:15 Uhr mache ich mich auf den Weg zur Bar. Ich habe extra eine Bar ausgewählt, die nicht allzu weit von meiner Wohnung ist. Nur einige Minuten von der Bar entfernt, denke ich daran wie er wohl in live ist. Ich hoffe darauf, dass er genauso gut aussieht wie auf seinen Bildern.

Von weitem sehe ich bereits, dass er vor der Tür wartet. „Bitte lass ihn gut aussehen.“ In dem Moment dreht er sich zu mir und lächelt mir zu. Ich erblicke eine Reihe von gelben Zähnen. Seine vorderen Schneidezähne sind jeweils in der Mitte angeknackst und kaputt. Ich lächle mein gezwungenes Lächeln und begrüße ihn. Er breitet die Arme aus, um mich zu umarmen. Ich lehne mich vor, lege ihm einen Arm um den Körper, während er beide Arme um meinen Körper legt, mich dabei allerdings nicht berührt. Ich bin irritiert von der komischen Umarmung und würde am liebsten bereits jetzt gehen.

Stattdessen gehen wir in die bereits ziemlich volle Bar und setzen uns an einen Tisch. Ich bestelle mir meinen jetzt wirklich nötigen Gin-Tonic und er einen Cola-Weizen. Sogar seine Getränkeauswahl ist unerotisch. Ich zünde mir eine Zigarette an und frage ihn ob er auch eine will. Er ist Nicht-Raucher. Ich bin eigentlich nur Gesellschaftsraucher, aber ihm gegenüber möchte ich mindestens genauso unattraktiv wirken, wie er auf mich. Er ist zur Zeit arbeitslos und ist wieder bei seinen Eltern eingezogen. Die Unattraktivität wird ins unermessliche gesteigert, als er lacht. Ein viel zu hohes, hektisches Lachen ertönt.

Wow, ich muss wirklich trinken. Ich nehme einen großen Schluck von meinem Gin-Tonic und genieße den etwas bitteren Geschmack. Als er aufs Klo geht, schreibe ich meinem Mitbewohner, dass es ein mega-fail ist und ich nach dem Drink nach Hause komme. Mr. Wissenschaft setzt sich wieder zu mir, ich halte es nicht für nötig sofort mein Handy auf die Seite zu legen, sondern schreibe meine Nachricht zu Ende. „Was hast du so für Phantasien abgesehen von dem Fuchsschwanz-Plug?“ Ich blicke hoch und bin verwirrt. „Fuchsschwanz-Plug? Waaasss?“ Ich lache los. „Das habe ich bestimmt nicht geschrieben. Da vertauschst du mich.“

Er kramt sein Handy aus und will es mir beweisen. Als ich es sehe, fällt es mir wieder ein. Der Match entstand an einem Abend, als meine Mitbewohnerin für mich getindert hat. Wir hatten angefangen uns über das ganze Spielzeug lächerlich zu machen und ihn zu verarschen. Er hat das wohl alles sehr ernst genommen. Jetzt kann ich mich auch daran erinnern, dass ich ihm damals nur meine Handy-Nummer gegeben habe, weil er mir Bilder von seinem Schwanz schicken wollte und ich es ihm nicht geglaubt habe. Er hatte es tatsächlich getan. Ein großer Penis, der die Krümmüng besaß, die ich am meisten mag. Ich muss schmunzeln. Er lächelt mich an und wieder erblicke ich seine Zähne. Mein Schmunzeln erlischt.

Ich zünde mir eine weitere Zigarette an und frage ihn was er denn sonst so in seiner Freizeit treibt. „Also letztes Jahr hatte ich viel mit meiner Thesis zu tun und daneben eben daten, daten, daten.“ Wow. Aufregend. Wenn er Daten als Hobby bezeichnet, könnte ich Shoppen als Hobby bezeichnen. Er redet, ich trinke weiter und gehe meinem Gedanken nach, ob Shoppen wirklich ein Hobby sein könnte. `Ich verbringe schon sehr viel Zeit damit, aber wie könnte ich es denn noch nennen? Mode?´ Bevor ich meine Gedanken zu Ende bringen kann, ertönt ein lautes Schlürfgeräusch. Mein Drink ist leer. Ich muss nicht überlegen, als ich sage, ob wir zahlen wollen. Erst danach sehe ich, dass sein Cola-Weizen noch halbvoll ist. Er guckt sich sein Glas an, lacht einmal hektisch und trinkt es auf ex.

Der Barkeeper kommt mit der Rechnung und stellt sich wie selbstverständlich zu ihm, statt in die Mitte. Mit einem zweiten Drink, hätte ich ihm etwas über Frauenrechte und Emanzipation erzählt. Diesmal lasse ich es. Trotz Mühe mein eigenes Getränk zu zahlen, übernimmt Mr. Wissenschaft die Rechnung. Wie unnötig, aber ich bedanke mich. Draußen umarmt er mich wieder. Es ist so als ob ich heiße Lava bin und er mich nicht berühren darf. „Ich kann dich noch nach Hause bringen, wenn du willst.“ „Eh nein, danke. Ich finde selbst dahin.“

Auf dem nach Hause bin ich nicht nur enttäuscht über das Date, sondern auch gleichzeitig von mir. Mir fällt jetzt erst auf wie unhöflich ich eigentlich war. Desinteresse wäre in Ordnung gewesen, aber ich war wirklich unhöflich. Ich nehme mir vor, beim nächsten nicht erwartungsgemäßen Date nicht mehr unhöflich und gemein zu sein. Dennoch bricht totale Unzufriedenheit in mir aus. Meine ganze Vorfreude verwandelt sich in pure Unbefriedigung, obwohl mein letzter Sex noch keine ganze Woche zurück liegt. Etwas traurig gehe ich Zuhause auf direktem Weg zu meinem Mitbewohner. „Ich muss kuscheln!“ Mein Mitbewohner nimmt die Decke hoch und sagt: „Komm her.“

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