Zwei Vorstellungsgespräche und einen Kuss später

-April 2018-

Ja tatsächlich habe ich es geschafft die Motivation zu finden und mich endlich zu bewerben. Es endlich mal selbst in die Hand zu nehmen. Mein Leben und meine Zukunft. Ein neuer Job und mit dem neuen Job auch ein neuer Wohnort. Ziele, die ich mir für 2018 gesteckt habe.

In den Jahren hat wohl auch mein Selbstbewusstsein darunter gelitten. Die Stellenbeschreibungen hören sich alle total anspruchsvoll an und ich verliere den Glauben daran tatsächlich eingeladen zu werden. Es geht allerdings nicht lange bis ich für Freitag die erste Einladung bekomme und daraufhin direkt auch noch am Montag. Die Tage muss ich mir wohl frei nehmen. Es ist seltsam sich frei zu nehmen mit dem Gedanken, dass man dem Unternehmen irgendwie fremd geht. So ist das aber wohl. Eine Beziehung auf Zeit, ist so ein Arbeitsverhältnis.

Ich bin besonders aufgeregt als ich zu meinem ersten Gespräch auftauche. Ich beruhige mich mit einem Schluck Wasser und noch einem. Das Gespräch ist weniger ein Gespräch sondern eine Verkaufspräsentation der Agentur. Ich gehe aus dem Gespräch und weiß nicht was das gerade war. Ich bin dennoch in einer guten Lage denke ich mir. Ich habe einen Job, den ich wechseln will. Wenn es was wird, ist es gut, wenn nicht dann war es eben Übung.

Mit einem etwas komischen Gefühl gehe ich in die Wohnung meiner Freundin, die bereits in dieser Stadt wohnt. Gegen später hole ich sie mit einer Flasche Wein ab und wir gehen gemeinsam in die Stadt, um noch ein wenig zu feiern. Das komische Gefühl ist vergessen. Der Wein hat eingesetzt. Ich genieße die Großstadt. So viele junge Menschen. Alles sehr viel größer als in meiner Stadt. Alles erscheint neu und aufregend. Ich bin glücklich mit dem Gedanken vielleicht auch bald hier zu wohnen. Wir entscheiden uns für eine Bar und laufen dorthin. Vor uns zwei Jungs, mit denen wir ins Gespräch kommen.

Sie stehen wohl schon länger an, aber das schreckt uns erst mal nicht ab. Wir warten. Es dauert tatsächlich doch nicht sehr lange und wir kommen in die Bar. Die Musik ist super. Die Getränke auch. Ah wieder die Typen vom Eingang. Wir tanzen alle zusammen. Ich bin auf nichts aus. Es ist einfach schön zu tanzen. Später frägt mich der Freund meiner Freundin welchen Typ ich den gut finde. Er kümmert sich darum. Achja. Easy. Ich zeige auf einen der Typen vom Eingang, der auch direkt hinter uns steht. Der Freund nimmt meine Hand, wirbelt mich zweimal um mich selbst rum und legt meine Hand in die Hand des Typen. Mr. Mustache. So nenne ich ihn. Weil er hat wirklich einen!

Wir schauen uns etwas verwirrt an, aber lachen sofort. Tanzen zusammen. Reden ein wenig, sofern es eben die laute Musik zulässt. Ich lausche seinen Komplimenten. Keine dummen wie „Du hast wunderschöne Augen.“ sondern eher sowas wie „Du bist ja eine ganz schöne Grinsekatze, das gefällt mir.“ Auf so ein Kompliment kann man dann eben auch nur noch Grinsen. Irgendwann ist einfach der Moment gekommen. Es ist einfach so weit. Meine Händer auf seiner Brust. Seine linke Hand um meine Taille. Ich strecke den Kopf hoch. Genieße diesen kurzen Augenblick des gribbelns in der Brust, im Bauch, im Kopf bis sich unsere Lippen treffen. Weiche Lippen, die sich aneinander schmiegen. Keine Hektik, kein sexuelles Verlange, das sofort gestillt werden muss. Zwei Personen, die einfach zärtlich zueinander sind. An einem Ort an welchem runderherum keine Ruhe ist.

Dann dieser Moment, wenn man den Kuss absetzt und sich zum ersten Mal danach in die Augen sieht. In dem man erkennt, dass es dem anderen auch gefallen hat. Sich dann wieder streckt, um nochmal dieses Gefühl zu erleben, aber das anfängliche Gribbeln ist weg und es bleibt nur noch die zärtliche Ruhe. Ich weiß, dass ich heute nicht zu ihm gehen werde. Ich weiß aber nicht, ob wir uns wieder sehen werden. Wir gehen nach draußen. Rauchen zusammen und können uns dabei auch richtig unterhalten. Er frägt mich nach meiner Handynummer, die er bekommt. Wir verabschieden uns später mit einem letzten Kuss. Ob er sich wohl meldet? Ich werde sehen.

Am nächsten Tag bekomme ich eine Nachricht, obwohl ich es nicht erwartet habe. Ich grinse. Wir schreiben.

Am Montag habe ich also das zweite Gespräch. Der Geschäftsführer und der Leiter sind gut vorbereitet. Haben meine Bewerbung vor sich liegen und stellen mir Fragen dazu. Es ist ein Gespräch, an welchem beide Parteien Interesse haben. Ich bekomme gutes Feedback. Ich bin nach dem Gespräch euphorisch. Die Sonne scheint. Alles ist hell, freundlich und schön. Ich fühle das Glück.

Später die Tage rufe ich bei der zweiten Agentur an. Sage, dass ich es mir sehr gut vorstellen kann. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Ich habe eine Zusage. Adrenalin. Ich bekomme den Vertrag bereits per E-Mail mit Unterschrift, damit ich zur Monatsmitte kündigen kann. Meine Hände zittern. Es ist soweit.

Nach einer kurzen Abstimmung zum Vertrag, drucke ich meine bereits vorbereitete Kündigung bei der Arbeit aus. Etwas aufgeregt aber bestimmt laufe ich zuerst zu meiner Teamleiterin. „Ich habe mich entschieden zu kündigen.“

Der erste Schritt in die Zukunft ist getan.

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12 Gedanken zu “Zwei Vorstellungsgespräche und einen Kuss später

  1. Aufbrüche haben immer etwas sehr euphorisierendes. Sie kosten gleichzeitig viel Überwindung und Kraft und daher ist es schade, dass wir uns so selten an jene euphorischen Momente erinnern, die einem bewusst machen, dass es richtig ist, diesen Schritt zu beschreiten. Alles Gute im neuen Team und in der neuen Stadt.

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  2. Ich. Will. Auch.

    Das ist echt ansteckend!

    Du tolle Nudel! Ich bin mir sicher, wir halten Dir hier alle die Hand für die nächsten Wochen – es ist so schön und aufregend, was alles passieren wird und wie sich das alles anfühlen wird – und wenn Du alles nicht mehr glauben kannst: Atme Mal durch. So schön ist das!!

    Gefällt 1 Person

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