Der Trigger

– Juni 2018 –

Ich habe mich nun schon einige Male mit Herrn Busch und weiteren Kommilitonen getroffen. Ich bin jedes Mal erstaunt wie gut ich es wegstecken kann. Das ganze mit Herrn Busch tatsächlich verarbeitet habe und keinen Rückfall erleidet habe. Es ist sogar so weit gegangen, dass ich mich auch schon allein mit ihm getroffen habe. Ohne Hintergedanken. Ohne Flirten. Naja, nicht ganz ohne, aber in einem ordentlichen Rahmen. Ich mache mir kaum Gedanken darüber ob es in Ordnung ist ihn zu treffen. Denn ich weiß, dass es so ist. Aus diesem Grund habe ich keine Scheu mich mit ihm oder der Gruppe zu treffen.

So wie heute. Ein warmer Abend, nach einem anstrengenden Arbeitstag. Das Feierabendbier kommt mir gerade gelegen. Ich komme an der Bar an. Herr Busch ist bereits da, sodass wir uns wie üblich zur Begrüßung umarmen. Ich lehne mich vor, lege ihm meinen Arm um die Schulter und atme ein. Atme direkt seinen Geruch ein. Der Geruch, den ich schon damals so sehr genossen habe. Der mich schier verrückt gemacht hat und es leider schon wieder tut. Ich muss mich zusammenreißen, nichts dummes zu tun. Der Schockmoment tritt ein. Der Schockmoment, den ich eigentlich bei unserem ersten Treffen erwartet habe.

In meinem Kopf tummeln sich die Bilder. Bilder von und mit ihm. „Oder wir gehen jetzt zusammen.“ Sein Gesicht erscheint vor meinen Augen. Die verengten Augen, die zu mir aufschauen und nichts als Lust wiedergeben. Ich beiße mir auf die Unterlippe. Erkenne wieder wo ich bin. Nicht in vermeintlicher Szene, sondern an der Barschlange. Ich werde etwas hektisch. Ich spüre meinen viel zu hohen Puls. Atme langsam ein und wieder aus. Alles ist gut. Es ist nur eine Kurzschlussreaktion. Vollkommen normal, dass ein Geruch die Bilder triggert. Das hat aber nichts zu bedeuten…

Das kühle Bier tut gut. Ich trinke drei vier große Schlucke. „Du hast aber richtigen Durst gehabt.“ Ich lache etwas zu hektisch. Wenn du wüsstest was mir gerade noch durch den Kopf ging… „Nach dem Tag, hab ich es auch wirklich gebraucht.“ Wir verfallen in Smalltalk. Später kommen noch weitere dazu. Die Situation ist jetzt für mich entspannter. Nicht so entspannt wie bei den Treffen zuvor, aber ich bin nicht mehr hektisch. Ich versuche mich dennoch eher auf die anderen zu fixieren, nicht auf ihn. Obwohl er genau neben mir sitzt. Er streicht in einer kurzen Handbewegung über meinen nackten Oberschenkel. Es fühlt sich an wie ein Stromschlag. Ich verkrampfe kurz, schaue zu ihm. Unsere Augen treffen sich. Er lächelt etwas verlegen. „Sorry, da war ein Viech.“

Ich lächle zurück und versuche mich wieder auf die anderen zu fixieren. Es funktioniert nicht. Immer wieder sehe ich uns an meinem Fenster in meiner Unistadt. Spüre seine Hände an meinem Körper. Ich werde wieder hektisch. Zünde mir eine Zigarette an. Komme damit wieder runter. Das ist genug für heute, Hayat. Geh nach Hause. Genau das tue ich. Ich trinke mein ohnehin fast leeres Bier aus und stehe auf. Verabschiede mich von jedem mit einer Umarmung. Ich kann es nicht lassen. Atme wieder ein, als ich Herrn Busch umarme. Sein Geruch steigt mir erneut in die Nase. Schaue ihm danach in die Augen. Was wäre, wenn mein Geruch auch so gut für ihn ist wie seiner für mich? Was wäre, wenn es ihn genauso verrückt macht wie mich? Ein kurzes Lächeln huscht über die Lippen als ich mich umdrehe und gehe.

Was wäre, wenn er jetzt bereit für mehr wäre? Was wäre, auch wenn es sich unglaublich kitschig anhört… Was wäre, wenn es sowas wie Schicksal ist, dass wir in der selben Stadt wohnen? Meine Brust engt sich ein. Ich bekomme kaum Luft. Atme stoßhaft ein und aus. Was passiert gerade? Neben den schönen Bildern mit ihm, erscheinen mir nun die Bilder nur von mir. Spüre dieses dumme Stechen in meiner Brust, das ich schon so oft nur wegen ihm gespürt habe. Wie ich mir immer mehr Hoffnungen gemacht, ohne dass Raum dafür gewesen wäre. Wie ich immer auf die selbe Weise enttäuscht wurde. Tränen steigen mir in die Augen. Was wäre, wenn ich ihn doch noch nicht überwunden habe?

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5 Gedanken zu “Der Trigger

  1. Du. bist. so. tapfer.

    Mensch, Du tolle, ich hab null Rat, außer durchatmen. Vergiss nicht daran zu denken, jemand, der Dich wirklich will, .. der ist auch da. (Und wer es nicht tut, schade drum)

    Gefällt 1 Person

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