Das Gespräch

– Februar 2019 –

Es ist Sonntag. Ich war das ganze Wochenende bei meinen Eltern und fahre nun wieder nach Hause, da es noch sehr früh ist und der Tag so sonnig, möchte ich noch ein wenig draußen sein. Mit dem Chiller schreibe ich seit unserem letzten Treffen ununterbrochen. Bei meiner Rückfahrt frage ich, ob er mit mir zum nächsten See möchte, um einen spazieren zu gehen. Er hat noch einen Kater und will mir später Bescheid geben. Bei späterer Rückfrage wird es dann doch nichts, er ist zu fertig um raus zu gehen, aber für einen Film wäre er später zu haben.

Das ist unser fünftes Treffen und ich weiß nicht mit welchen Absichten wir uns Treffen. Ist es nur Sex? Es fühlt sich nicht so an, aber wie oft hat mich mein Gefühl dabei schon getrübt? Heute will ich zumindest herausfinden, ob er sich nur mit mir trifft oder ich nur eine von vielen bin. Gegen halb sieben ist er da. Im Bett nimmt er mich wieder sofort in seine Arme. Unsere Beine liegen kreuz und quer und überhaupt liegen wir eher aufeinander als nebeneinander. Immer wieder küssen wir uns und streicheln den jeweils anderen Körper. Zwischendrin wird das Verlangen etwas größer, aber wir bleiben dabei den Film zu schauen.

Seine Hand verschwindet unter meinem Pulli und später meine unter seinem. Als ich aufhöre ihn zu streicheln, fragt er warum ich aufhöre. „Wir wollen ja den Film schauen…“ Er packt mich von der Seite und sagt, dass wir dabei ja auch ein wenig spielen können. Beim spielen bleibt es natürlich nicht. Im nächsten Moment liege ich schon auf ihm, noch angezogen, aber schon sehr am stöhnen. Der Film ist nur noch Nebensache. Wir sind nun in der Hauptrolle. Es ist auch dieses Mal eher langsam, sehr sinnig und auch intensiv. Immer wieder packt er hart meinen Hintern, kneift ihn etwas. Der leichte Schmerz fühlt sich wunderbar an.

Danach liegt mein Kopf nur wenige Minuten auf seiner Brust. Es ist einfach zu warm, um so nah an ihm zu liegen. Ich rutsche etwas weg von ihm, lege ihm aber stattdessen meinen Arm auf die Brust und streichle ihn. Ist jetzt der richtige Moment? Ist jetzt ein guter Moment, um das Gespräch zu beginnen? Nein. Das ist zu verkrampft. Ich finde nicht die richtigen Worte, also lasse ich es bleiben. Irgendwie erscheint es mir in diesem Moment auch nicht mehr wichtig. Er ist jetzt bei mir und bei niemand anderem.

Das Ende des Abends kommt leider viel zu früh. Als er sich anzieht, fragt er mich noch über was ich nachdenke. Ich habe aber immer noch nicht den Mut es auszusprechen. Das Gespräch zu beginnen. Er geht und ich bleibe mit meinen Gedanken alleine. Jetzt bin ich alleine. Weiß immer noch nicht was es ist. Das mit uns. Ich weiß, dass ich keine Ruhe bekommen werde, wenn ich es nicht herausfinde. Ist es jetzt nicht schlimmer eine Nachricht hinterher zu schicken? Aber was ist schlimmer als die Gedanken in meinem Kopf? Als diese Unsicherheit, die mich jetzt wieder beklagt?

Ich fange an zu formulieren. Ich finde keine Worte, die richtig sind. Ich versuche so ehrlich wie möglich zu sein:
„Jetzt wollt ichs vorher eigentlich persönlich ansprechen, aber ich hab mich einfach nicht getraut und nicht so die passenden Worte gefunden 🙈 Aber ich muss das jetzt einfach los werden… Ich verbring ziemlich gern Zeit mit dir und ich hab irgendwie das Gefühl, dass sich für mich ein bisschen mehr entwickeln könnte. Weswegen ich dich fragen wollte wie du dazu stehst… Falls ich für dich nur eine von vielen bin oder ein netter Zeitvertreib, wäre es sehr cool zu wissen. Sonst haben wir beide unterschiedliche Auffassungen von dem was wir da gerade machen oder was wir uns erhoffen 🙈🙈“ Schick ich die Nachricht ab? Tue ich es? Ich spreche mir gut zu. Es kann nichts passieren. Eventuell bist du danach enttäuscht, aber vielleicht bist du danach auch einfach glücklich.

Es ist keine Minute vergangen, nachdem ich die Nachricht abgeschickt habe und schon ist er Online. Die Nachricht ist gelesen. Ich gehe Offline. Ich kann nicht dabei zuschauen wie er schreibt. Ob er überhaupt schreibt. Nach fünf Minuten halte ich es nicht mehr aus. Gehe wieder rein und sehe, dass er schreibt. Ich gehe wieder Offline. Weitere fünf Minuten vergehen. Niemand braucht so lange, um eine positive Nachricht zu schreiben. Niemand. Nur für die negativen Nachrichten braucht man lange, weil man die richtigen Worte finden muss. Mit jeder vergangenen Minute, glaube ich mehr daran. Versuche mich schon wieder selbst zu trösten. Ganze zwanzig Minuten später vibriert mein Handy. Eine Nachricht. Von ihm.

Ich entsperre mein Handy. Lese erst in der Vorschau die ersten Sätze:
„Hey 🙂 ich verbringe auch sehr gerne zeit mit dir. Hab mich schon seit der ersten chat nachricht richtig wohl gefühlt. Mir kommts so vor als würden wir uns schon sehr lange kennen. Ich…“ Mehr zu lesen traue ich mich nicht. Das ist positiv. Das hört sich sehr gut an, aber kommt da noch ein „aber“?

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