Tränen

– Mai 2019 –

Meine Kehle schnürt sich zu. Kriege kaum mehr Luft. Versuche die Tränen soweit es geht zurückzuhalten. Die Emotionen zu unterdrücken. Sie nicht zuzulassen. Ich will jetzt nicht weinen. Nicht wieder in Trauer versinken. Mein Blick verschwimmt. Die Tränen bilden sich unaufhörlich. Jetzt ja nicht blinzeln. Alles tun, um dieser Schwäche keinen Raum zu geben. Das innere Zittern erschüttert mich. Meine Nasenflügel beben. Ich kann sie nicht mehr zurückhalten. Es ist zu spät. Die erste Träne kullert über meine Wange. Tropft an meinem Kinn runter auf meine Brust. Die zweite folgt ihr.

Ich weine. Schon wieder wegen einem Mann. Einem Mann, den ich wirklich geliebt habe. Der meine Hand gehalten hat. Der hinter mir stand. Der mehr oder weniger immer für mich da war. Der mich zu dem gemacht hat, was ich jetzt bin. Der mich lebensverändert gebildet hat. Der mich schon so oft zum lachen, aber fast genauso oft zum weinen gebracht hat. Der mich zu dieser starken, aber gleichzeitig so schwachen Person gemacht hat.

Ich weine. Leise. Wenn es niemand hört, dann ist es nicht passiert. Dann sieht niemand den Schmerz, der Platz in mir gefunden hat und ihn für sich, nur für sich beansprucht.

Ich weine. Schon wieder wegen einem Mann. Einem Mann, den ich wirklich verehrt habe. Den ich gehasst habe, während ich ihn geliebt habe. Der immer einen Platz an seiner Seite für mich hatte. Dessen Arme so schützend waren, wie keine anderen. Dessen Umarmungen so kraft- und liebevoll waren. Dessen Stimme mich zu Zeiten beruhigt und zu Zeiten verängstigt hat.

Ich weine. Leise. Im dunkeln. Wenn es niemand sieht, dann ist es nicht passiert. Dann sieht niemand den Schmerz, der Platz in mir gefunden hat und ihn für sich, nur für sich beansprucht.

Ich weine. Schon wieder wegen einem Mann. Einem Mann, den ich wirklich respektiert habe. Dessen Lebensweg mich beeindruckt hat. Dessen Lebensfreude mich inspiriert hat. Dessen Augen so viel Energie versprüht haben. Dessen Augen jetzt für immer verschlossen bleiben.

Ich weine. Alleine. Wenn es niemand sieht, niemand hört, dann bin ich weiterhin die Starke.

Ich weine. Schon wieder wegen einem Mann. Einem Mann, den ich Baba genannt habe.

7 Gedanken zu “Tränen

  1. Oh nein, das ist so herzzerreisend. Mit dem Ende hatte ich gar nicht gerechnet.. Ach mensch, viel dich gedrückt, Hayat. Auch von mir ganz viel Kraft an dich und deine Familie. ❤

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