Ich hasse, dass es wieder passiert ist.

– Dezember 2019 –

„Gerade wieder angekommen. Ein Bier wär nett.“ Ich schicke meine Antwort an Herrn Busch ab. Wir verabreden uns auf 21 Uhr. Ich weiß worauf dieses Treffen hinausläuft. Das ist kein freundschaftliches Bier wie damals als ich neu in dieser Stadt war. Das hier wird so eins wie früher in meiner Studienzeit. Ich hasse es, dass ich mich freue. Aber ich freue mich. Ziemlich sogar. Ich dusche nochmal und ziehe mir schöne Unterwäsche an. Das mit viel Spitze und wenig Stoff. Ich hasse, dass ich mir soviel Mühe gebe.

Fertig angezogen mache ich mich auf den Weg. Er ist nur Sekunden nach mir da. Er ist mir wohl hinterhergelaufen, aber ich habe nichts gehört, wegen den Kopfhörern. Die Bar ist ziemlich voll, weswegen uns nichts anderes übrig bleibt als uns auf die zwei Kinderstühle an einem kleinen Couchtisch zu setzen. Hauptsächlich redet er. Es stört mich nicht. Meine Gedanken schweifen hin und wieder ab. Wenn ich dann doch richtig zuhöre denke ich mir „Was bist du eigentlich für ein Vollspacko?“ Nicht, weil er Scheiße erzählt, sondern meine Gefühle es mich denken lassen. Nach drei Bier denke ich das nicht mehr so stark. Ich taue auf. Rede mehr. Schaue ihm länger in die Augen, auf die Lippen, die Hände. Folge seinen Bewegungen. Ich hasse, dass mir dieser Anblick so gut gefällt.

„Was willst du noch machen? Willst du nach Hause? Willst du noch was gemütliches machen? Willst du noch wo anders hin?“ Ich lasse ihn weiter aufzählen, mache keine Anstalten ihn aus dieser Situation zu befreien. Es gefällt mir wie er um den Brei rumredet und anscheinend eine gewisse Unsicherheit hat was die heutige Nacht betrifft. Als er dann doch schweigt, sage ich, dass ich noch einen Wein Zuhause habe und genau dahin brechen wir auf. Zuhause öffne ich die Flasche Wein und schenke uns ein. In meinem Zimmer stehen wir erst nur mitten drin. Wie zwei Menschen in einer Galerie, die sich umschauen. Dann setzt er sich auf die Bettkante. Als ich nicht sofort zu ihm gehe, streckt er seinen Arm nach mir aus. Ich komme näher. Lege meine freie Hand um seinen Hals. Ich lehne mich etwas runter. Bewege mich nur sehr langsam, lasse die Zeit vergehen. Meine Lippen sind nur wenige Zentimeter von seinen entfernt. Er lächelt sein verschmitztes Lächeln, öffnet seine Augen und will gerade etwas sagen, als ich ihn mit meinen Lippen zum Schweigen bringe. Ich hasse, dass sich das alles so gewohnt aber dennoch besonders anfühlt.

Es ist ein Kuss wie ich ihn schon oft mit ihm hatte. Leicht und lustvoll. Ich lasse ihn los, um mein Weinglas abzulegen. Er tut es mir gleich und zieht zusätzlich seine Brille ab. Er legt sich zu mir ins Bett. Streicht mir ein weiteres Mal über das Gesicht, bevor wir uns nochmal küssen. Er zieht mich auf sich. Ich spüre zwischen meinen Beinen seine Erektion. „Das ging aber schnell.“ denke ich mir und reibe mein Unterleib an seins. Er wartet nicht lange bis er anfängt mich auszuziehen. Nur wenig später sind wir beide nackt. Seine Finger in mir. Mein Körper vibriert. Ich ziehe ihm ein Kondom auf, sodass er endlich in mich dringen kann. Schon nach wenigen Stößen komme ich. Ich hasse, dass ich es ihm so leicht gemacht habe.

Stoße ihn von mir und setze mich auf ihn. Nicht um sofort wieder weiter zu machen, sondern ihn erst noch warten zu lassen. Wenn ich das hier schon wieder tue, dann soll es sich auch verdammt nochmal lohnen.
Ich streiche mit meiner feuchten Vagina seinen Penis. Er will eindringen. Ich lasse ihn nicht. Küsse ihn erst noch einmal auf die Lippen und später seinen Hals. Mit immer derselben Bewegungen. Nehme ihm jegliche Kontrolle ab. Erst dann fasse ich seinen Penis und setze mich langsam auf ihn. Ein erleichtertes Stöhnen. Dann ein weiteres als ich anfange ihn zu reiten. Seine Hand nimmt seinen gewohnten Weg zu meinem Hintern. Seine Finger massieren nun meinen After. Einer dringt dabei immer wieder ein. Ich schaue zu ihm runter. Wieder dieses verschmitzte Lächeln. Sein Blick wieder nur durch die zugekniffenen Lider auf mich gerichtet. Ich hasse, dass er weiß, dass mir das gefällt.

Seine freie Hand wandert zu meinen Brüsten und weiter hoch bis seine Finger meine Lippen berühren. Er gleitet mit dem Zeigefinger in meinen Mund. Lässt mich daran lutschen und saugen. Meine Bewegungen werden schneller. Er treibt mich mit seiner Hand an meinem Hintern an. Mein nächster Orgasmus erklingt mit einem lauten Stöhnen. Ich bewege mich mit den Kontraktionen, die kein Ende finden wollen. Wieder dieses piepen in den Ohren. Ich sacke nach vorne. Küsse ihn und bewege mich nur noch sachte, bis sich mein Körper beruhigt. Ich hasse, dass er mich zu so einem Orgasmus bringen kann.

Ich bin viel zu Überempfindlich. Kann so nicht weitermachen. Mein Mund ist staubtrocken. Ich strecke mich, immer noch auf ihm sitzend zu meinem Nachttisch. Nehme mein Weinglas und trinke zwei Schlücke, als ich seine Hand von meinem Hals abwärts streicheln fühle. Ich lege mein Glas ab, lächle ihn an, um auch eins von ihm zu bekommen. Wir küssen uns noch einmal, ein letztes Mal. Ich verteile weitere Küsse auf seinem Hals, seiner Brust und seinem Bauch, bis ich an seinem Unterleib bin. Nachdem ich das Kondom abgezogen habe, richte ich meinen Blick zu ihm. Nehme seinen Penis in die Hand und lasse ihn, mit immer noch auf ihn gerichteten Blick, langsam in meinen Mund gleiten. Ich schließe die Augen. Sauge und lecke genüsslich, bis sein Stöhnen lauter und schneller wird. Nur wenig später kommt er in meinem Mund. Ich hasse, dass ich ihm zum ersten Mal in unserer Geschichte einen Blowjob gegeben habe.

Er zieht mich sanft an meinem Kopf hoch. Ich will mich eigentlich daneben legen. So wie es schon immer war. Aber er nimmt mich in seinen Arm. Zieht mich an sich, sodass ich meinen Kopf auf seine Brust lege. So schauen wir fern. Bis ich immer wieder eindöse und er mich fragt ob ich schlafen möchte. Ich rechne schon damit, dass er nach meinem „Ja“ aufsteht und geht. Stattdessen macht er den Fernseher und die Lichterkette aus. Ich drehe ihm meinen Rücken hin. Damit wir einschlafen können, wie wir es immer getan haben. Rücken an Rücken. Ohne jegliche Berührung, bis auf dieses eine Mal. Dieses eine Mal in unserer ersten Nacht. Er drückt seinen Arm unter meinem Kopf durch und ummantelt mich von hinten. Seine Hand auf meinen Brüsten. Wie damals liegen wir da. Wie damals, als ich noch gar nichts für diesen Mann empfunden habe.

 

6 Gedanken zu “Ich hasse, dass es wieder passiert ist.

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