Offene Beziehung

– Januar 2020 –

Tinder aktiv. Schon seit letztem Jahr November. Ein weiteres Match. Sehr interessant. So interessant, dass ich mich Treffen will. Er sich auch, aber seine Zusatzinfo dazu ist, dass er in einer offenen Beziehung ist und er mir das schon vorab sagen möchte. Sehr fair.

Ich frag mich, aber nun zum verfickten 50. Mal was das eigentlich für eine Beziehungsform ist?! Warum hat man denn bitte eine offene Beziehung? Zu welchem Zweck? Wenn man von Monogamie nichts hält, dann soll man es einfach komplett lassen und es nicht einfach anders benennen. Aber was ist dieses Ding von irgendwie Beziehung, aber ohne Versiegelung, weil das Wörtchen „Offen“ noch davor steht?!

Liebt man dann den Partner in dieser offenen Beziehung? Liebt man diese Person, aber eben nicht genug um sich komplett auf diese Person einzulassen? Wie kann man jemanden bedingungslos lieben, aber dabei seine Liebe mit wechselnden fünf weiteren Frauen teilen? Weil es geht ja nicht ausschließlich um Sex, wenn man sich mit Jemandem trifft, der eine offene Beziehung hat. Zumindest bei diesem Herrn.

Sind mit diesem Wörtchen „Offen“ alle Verantwortlichkeiten/ Verpflichtungen abgetreten? Man ist mit dieser einen Person zusammen, aber nicht genug zusammen, um was zu entgehen?

Ist das nicht kompletter Humbug? Hat man da nicht einfach nur Angst vor dem ALLEIN sein? Ganz gruseliges Wort. Noch gruseliger wäre es ja sich auch noch Single nennen zu müssen. Aber nein man ist in einer Beziehung, die eigentlich keine ist. Das ist wie, wenn ein Arbeitsloser sagt, dass er beim Staat eingestellt ist, weil da kommt ja auch das Geld her. Das ist doch auch kompletter Blödsinn?

Oder ist das einfach nur eine Benennung für Leute, die Beziehungsangst haben und sich nicht so ganz ganz festlegen wollen? Oder ist das einfach nur eine Altersversicherung, damit man nicht als Single stirbt?

8 Gedanken zu “Offene Beziehung

  1. Nun ja, ich kann deine Gedanken gut verstehen. Aber hinter einer offenen Beziehung steckt weitaus mehr, als nur die Angst vor dem allein sein. Es ist ja auch nochmal ein Unterschied, ob man offen mit einem Partner lebt oder in einer Poly-Beziehung ist. Ich kenne viele Menschen, die das eine oder andere praktizieren. Ich für meinen Teil finde, dass es manchmal die ehrlichere Art und Weise ist, eine Beziehung zu führen. Weil es dann diesen „Fremdgehen“ nicht gibt. Ich kenne leider zu viele negative Beispiele von monogamen Beziehungen, wo sich einer oder beide zu wem anders hingezogen fühlen und das dann heimlich ausleben. Das finde ich total falsch. Ich finde es allerdings recht natürlich, dass man gerade sexuell gesehen manchmal auch ein kleines Abenteuer braucht oder eben mit jemandem Dinge auslebt, die der feste Partner nicht mag, dem eigentlichen Partner gegenüber aber loyal bleibt. So kann man sich darüber austauschen und sich sogar daran bereichern. Ich kenne viele, wo es super klappt auch über Jahre hinweg und mit Kindern.
    Es ist sicher nicht jedermanns Ding, aber es ist eben auch eine Form einer Beziehung.

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  2. Das, was ellisrelationship sagt. Eine offene Beziehung ist meiner Ansicht nach, eine Art, wirklich und mit Hingebung an einer Beziehung zu arbeiten. Stell dir vor, du lernst einen Menschen kennen und ihr liebt euch mehr als je Jemanden zuvor. Aber ihr könnt einander sexuell nicht das geben, was der jeweils Andere braucht. Sei es, weil Hemmungen oder Abneigungen gegen Vorlieben und Fetische des jeweils Anderen bestehen oder vielleicht auch einfach die Anatomie nicht ganz so zusammenpasst. Das macht auf Dauer unglücklich und führt im Regelfall dazu, dass die Beziehung zerbricht. Wenn man sich dann (oder weil man die Erfahrung schon gemacht hat, sofort) für eine offene Beziehung entscheidet, heißt das doch eigentlich nur, dass man eingesehen hat, dass man nicht alles von einem Menschen erwarten kann und man in dieser Form so an der Beziehung arbeitet, dass man das kleine Bisschen, dass nicht optimal läuft, auf diese Weise ausgleicht und den restlichen erfüllenden Part mit dem Menschen, den man liebt, dennoch leben kann. Ich bin nicht sicher, ob ich es so leben könnte, aber ich finde das Prinzip klasse. Wie ellisrelationship schon sagt, ist es ja auch ein Unterschied, eine offene Beziehung zu führen (also nur den Sex außerhalb zu suchen) oder eine Poly-Beziehung zu führen, in der es wirklich um Gefühle für mehrere Personen geht.

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    1. Ich halte es übrigens nicht gerade für die beste Vermarktung gegenüber Skeptikern, eine offene Beziehung aus einem „sexuellen Mangel“ heraus anzupreisen. 😉 Aber ja, die Denkrichtung finde ich auch passend. Also dass man eine ordentliche Portion Rationalität braucht, um dieses ganze Brimborium hinsichtlich „körperlicher Exklusivität“ nicht zu wichtig zu nehmen – sodass man Liebe eben eher ans Herz statt an die Geschlechtsteile knüpft. Das handhabt man als Single schließlich auch nicht anders. Ansonsten beobachte ich persönlich im Freundeskreis, dass offene Beziehungen, die sich über eine „gemeinsame Sexualität“ definieren, sehr harmonisch laufen. Heterosexueller Mann + bisexuelle Frau gehen dann halt gemeinsam auf Frauenjagd, wenn sie Bock auf Abenteuer haben.

      Standard-Buchtipp zu dem Thema ist eigentlich immer: https://www.amazon.de/Schlampen-mit-Moral-praktische-Beziehungen/dp/3868825088

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      1. Gut, dass es mir nicht um die Vermarktung ging, sondern lediglich meine Sichtweise dazu. Was anderes, als ein sexueller Mangel fällt mir im Übrigen nicht dafür ein. Ob man das dann getrennt auslebt oder zusammen zB durch Dreier o. Ä. sei dahingestellt. Alles, was übers sexuelle hinaus geht, sind Poly-Beziehungen und hier ja an sich nicht Thema 😉

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  3. Hmmm ich glaub auch dass diese Frage nicht so pauschal zu beantworten ist. Wenn ich deine Definition von ehrlicher großer Liebe lese bekomm ich auch fast ein wenig schlechtes Gewissen aber so ganz einfach ist es nicht. Verändert sich Liebe nicht auch im Lauf der Zeit & in den verschiedensten Lebensphasen eines
    Menschen? Als Anregung: Wir haben uns sehr früh kennengelernt, waren mutig und sind für unseren Mut mit 3 wundervoll frechen Kindern belohnt worden. Haben früh geheiratet uns einiges aufgebaut und dafür in der Lebensspanne zwischen 20 und 30 auf viele neue Erfahrungen verzichtet. Ist es jetzt noch Liebee wenn wir uns für die ein oder andere bereichernde Auszeit öffnen und dem Partner es gönnen sich persönlich und sexuell noch weiter zu entwickeln ohne dabei das komplette Lebenskonzept in Frage zu stellen

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  4. Leute seit doch nicht so naiv, in den meisten Fällen ist es beim Daten von Frauen eine praktische „Unwahrheit“, die von gebundenen Männern verwendet wird um Frauen ins Bett (ONS oder Affäre) zu bekommen, die keine festen Beziehungen zerstören wollen. In diese Hinsicht gibt es mehr altmodische Damen als man so denkt. Aber stellt man es irgendwie spannender dar/ schon halb getrennt, dann geht was. Das Problem dabei ist aber grundsätzlicher. Dass man lügen muss, um ein wenig Glück zu finden, welches mit der Wahrheit gar nicht erfahrbar wäre. Nur die meisten Frauen eben doch nicht offen denken, sondern Treue ihnen wichtig bleibt. Dafür wird aber andersherum gefordert, dass man alles sofort beendet (Ehe, langjährige Beziehung) nur für ein vielleicht kurzes Vergnügen. Das hier mehr als ein Leben zerstört wird, auch dass der Kinder eventuell, ist dann ganz ok, wenn man selbst den Kerl dafür bekommt. Ist für mich eine ziemliche Doppelmoral. Wenn so nicht mehr gedacht würde, müssten auch keine Männer mehr Märchen erzählen. Aber stimmt ja, Märchenprinzen sind eben doch noch gewünscht. Das gibt nur keine mehr zu :)))

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