Das Spannungsspiel

– August 2020 –

Langsam kommt er näher. Nur noch die letzte Ampel. Die letzten fünf Meter. Dann steht er vor mir mit einem unglaublichen Grinsen im Gesicht. Eine warme Umarmung zur Begrüßung. Ich muss lachen, weil mein Kopf gerade mal bis zu seiner Brust reicht.

Weil das Restaurant ohnehin erst später öffnet, gehen wir vorher in den städtischen Park spazieren. Ich lade ihn später im Restaurant zum essen ein und weil es noch so früh ist, gehen wir noch weiter zu mir. Auf dem Balkon öffnen wir eine Flasche Wein und genießen die letzten Sonnenstrahlen. Als meine Mitbewohnerin anfängt in der Küche rumzuwerkeln entscheiden wir in mein Zimmer zu gehen. Wir machen es uns auf meiner Couch gemütlich, unterhalten uns nach wie vor gut und lachen viel zusammen.

Auch wenn ich gedacht habe, dass die Spannung zum Date schon kaum auszuhalten war, ist es jetzt noch schlimmer. Wir wissen beide ganz genau, dass wir uns küssen möchten, aber keiner von uns macht den ersten Schritt. Es berühren sich nur unsere Oberschenkel und nichts weiter, bis seine Hand meiner näher kommt und er meine Hand in seine nimmt. Ich lächle verstohlen und schaue ihm in die Augen. Aus meinem Grinsen wird ein kleiner Lacher. Ich kann es kaum mehr aushalten und frage mich wie es ihm wohl mit dieser Situation geht.

Er nimmt meinen Lacher als Anlasss. „Da hält wohl einer die Spannung nicht mehr aus.“ Mit dem Satz nimmt er erst meinen Kopf in die Hände und lehnt sich schließlich zu mir, um mich zu küssen. Ich weiche nur ein klein bisschen zurück, sodass seine Lippen meine noch nicht berühren konnten. Ich schließe meine Augen, gebe mich diesem Moment komplett hin. Ein Spannungsspiel wie ich es nur selten oder gar nicht hatte, beginnt.

Unsere Lippen sind nur wenige Millimeter voneinander entfernt. Ich meine sie spüren, tu es dann aber doch nicht. Ich weiß nicht ob sein Atem oder diese unglaubliche Spannung meine Lippen zum kribbeln bringt. Ich bin wie betäubt von diesem Moment. Wir bewegen uns nur Sachte, ich komme näher, er weicht zurück. Unsere Lippen sind nie mehr voneinander entfernt als diese wenigen Millimeter. Und irgendwann kommt dieser Augenblick in der man voller Leidenschaft loslegen möchte, aber diese Spannung ist einfach so einzigartig, dass wir jede einzelne Nicht-Berührung ins unermessliche genießen. Die Vorstellung darüber reicht in diesem Moment noch aus.

Ich öffne meine Augen, schaue in sein Gesicht, das meinem so nah ist. Ich schließe sie wieder und begebe mich erneut in diesen ekstatischen Zustand in welcher die Sekunden wie Minuten vergehen. Jede Bewegung die noch so langsam ist, noch langsamer erscheint. Unsere Lippen berühren sich für einen kurzen Moment. Kein Kuss. Nur eine Berührung folgt einer weiteren Berührung. Bis die Lippen länger aufeinander verweilen. Nur aufeinander liegen, die Wärme und das weiche Gefühl der anderen Lippen auf den eigenen fühlen.

Wir weichen voneinander, nur sehr wenig, weil der Kuss noch lange nicht ausgereift und noch weniger zu Ende ist. Unsere Lippen legen sich erneut aufeinander, diesmal jedoch nimmt er meine Unterlippe zwischen seine, ich seine Oberlippen. So verschmelzen unsere Lippen immer weiter miteinander, bis auch unsere Zungen ins Spiel kommen.

Dieser medidativ-ekstatischer Zustand verwandelt sich langsam in Lust. In Lust, die den ganzen Körper in seine Macht zieht. Seine Hände packen mich nun fester an. Ich schmiege mich noch näher an ihn ran. Keiner von uns kommt nicht mal nur auf den Gedanken sich selbst oder den anderen auszuziehen. Denn wir wissen beide, dass es heute nur beim Küssen bleiben wird.

2 Gedanken zu “Das Spannungsspiel

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