Schuldzuweisung

– Dezember 2019 –

So liegen wir also da. Ich rechne damit wieder in Panik zu verfallen, dass wieder diese geballten Gefühle in mir explodieren. Ich war bis eben noch müde. Jetzt sind meine Augen offen und ich versuche irgendwie mit dieser Nähe umzugehen. Die Nähe, die ich gerne von Jemand anderen als Herrn Busch erfahren hätte. Aber was macht es für einen Unterschied? Runtergebrochen wollt ich doch nur in den Armen eines Mannes liegen? Kann man das so vereinfachen? Wahrscheinlich nicht. Ich tue es trotzdem.

Mit der Hoffnung diese Nüchternheit auch später noch zu behalten, nehme ich seine Hand und kuschel mich an sie. So wie ich es schon früher bei meinem Ex gemacht habe. Ich versuche diese für mich so intime Berührung unserer Körper nur zu genießen und nicht weiter zu interpretieren. So schlafen wir ein. Er früher als ich. Bis wir mit dem Morgengrauen aufwachen. Nicht mehr so wie beim einschlafen, aber immer noch sehr nah. Diesmal lieg ich auf dem Rücken und er seitlich an mich gepresst. Sein Kopf liegt dabei genau neben meinem. Er schaut mich mit einem Auge an. Das andere ist zugekniffen. Witziger Anblick denk ich mir und muss lachen. Seine Hand an meinen Brüsten lenkt mich sofort ab. Er massiert beide Nippel und gleitet dann runter zwischen meine Beine.

Ich drehe mich etwas zu ihm. Er nimmt bereits das nächste Kondom und streift es über. Er legt mein rechtes Bein um seine Hüfte, das andere ist zwischen seinen Beinen. In dieser komischen Scherenstellung fickt er mich von der Seite. Sein Bein zwischen meinen, massiert dabei meine Klitoris. Seine Hand meine Brüste. Sein Blick auf meinen gerichtet. Keine Küsse. Die Zärtlichkeit von gestern ist wie weggeblasen. Es ist nichts mehr davon übrig.

Auch wenn ich die ganze Zeit über kurz davor bin, komme ich nicht. Auch nicht als er mich von hinten nimmt und mit seiner Hand nachhilft. Mein Kopf ist zu beschäftigt. Er merkt davon nichts. Er kommt zu seinem Höhepunkt und legt sich erst auf mich dann wieder neben mich. Diesmal ohne mich zu berühren. Ohne mich zu sich zu ziehen. Ohne mich anzuschauen. Habe ich mehr als das erwartet? Nein. Es war mir schon davor bewusst. Er ist nicht zu mehr fähig. Anscheinend noch weniger, wenn er nüchtern ist. Wir schlafen erneut ein.

Wenig später wache ich auf. Kann nicht mehr weiterschlafen. Ich sehe nichts weiter als seinen Rücken. Genau wie ich es schon gestern erwartet hatte. Nur diesmal später eingesetzt als gedacht. Ich schaue auf mein Handy. Eigentlich nur um die Uhrzeit zu checken. Stattdessen sehe ich eine Nachricht von Herrn Riesig: „Ist auf keinen Fall bitchy. Mein Verhalten schon. Hatte den ganzen Tag rattigste Laune, weil ich eine Hassnachricht von meiner Ex bekommen habe.“ Ist das wirklich seine Entschuldigung? Seine Erklärung? Am liebsten würde ich einfach „Fick dich und komm auf dein Leben klar.“ schreiben. Dann wird mir bewusst, dass ich ihn für die letzte Nacht verantwortlich mache.

Wegen ihm hat mich Herr Busch in meinem schwachen Moment erwischt. Wegen ihm, hab ich mich überhaupt mit Herrn Busch getroffen. Wegen ihm, lieg ich jetzt hier. Neben diesem Arschloch, der mich schon so oft verletzt hat und es schon wieder tut. Alles weil er mich versetzt hat. Und weil ich Herrn Busch die Möglichkeit gegeben habe. Herr Riesig ist vielleicht die Ursache aber ich bin diejenige, die es in der Hand hatte. Diese Nachricht habe ich verdient und nicht er. Deswegen lasse ich es zu antworten.

Herr Busch wacht auf. Fragt nach der Uhrzeit. Die ersten Worte heute morgen… „Halb zwölf.“ Er steht auf. „Ich wollte noch so viel machen.“ Ich rolle meine Augen. Sage nichts. Stehe auf, streife mir einen Pullover über und gehe in die Küche. Dort fange ich an meinen Kaffee mit der Bialetti zuzubereiten. Ich könnte ihn natürlich fragen ob er auch einen will. Meine türkische Gastfreundschaft zwingt mich schon dazu. Dann kommt er aus dem Zimmer, zieht sich im Flur die Schuhe an. Ich bringe es nicht über die Lippen ihn zu fragen. Sein Blick ist so kühl. Er ist so kühl. Ich will, dass er geht. Dass ich endlich wieder allein bin.

Eine lausige Umarmung und ein „Bis dann.“ zum Abschied.

Bis dann, Herr Busch. Bis in ein paar Monaten wahrscheinlich, wenn ich nicht mehr an dich denke und du dich wieder mit einer Nachricht reindrängst. Aber dann… Dann werde ich Fragen stellen und es endgültig klären.

Zumindest in meiner Vorstellung…

5 Gedanken zu “Schuldzuweisung

  1. Da kriegt man selbst als Leser ein richtig beklemmendes Gefühl. Ich drücke die Daumen, dass du deine Vorstellungen in die Tat umsetzt, wenn es so weit ist. Der ists nicht wert, aber das weißt du ja. Drück dich!

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