Verwirrung

– August 2020 –

Ich schaue ihm noch nach, als er aus der Tür geht und den Aufzug nimmt. Intuitiv fasse ich mir an die Lippen. Es ist so als ob ich noch seine Lippen auf meinen spüre. Schon seit wir angefangen haben zu schreiben, bekomme ich täglich eine „Gute Nacht-“ und „Guten Morgen-Nachricht“. Auch wieder heute Abend als er Zuhause bei sich ankommt. Unsere Gespräche gehen tief und damit auch die Gefühle. Er kann bewundernswert offen über sich selbst sprechen und lockt mir die tiefsten Gedanken heraus.

Nur wenige Tage später bin ich mit einer Freundin unterwegs als er mir schreibt wieviel er schon in so wenigen Tagen für mich empfindet, wie krass es ist, auf welcher Ebene wir uns verstehen und miteinander sind. Er hatte das noch nie und ist nach wie vor begeistert so eine Frau wie mich getroffen zu haben. Eine Frau die zu 100% seiner Traumfrau-Vorstellung entspricht. Auch wenn es mir in diesem Moment zu viel erscheint, verstehe ich seine Gedanken, denn die gleichen habe ich ihm gegenüber auch. „Findest du das nicht auch beängstigend?“ fragt er mich.

Ja, ein wenig schon. Aber vielleicht ist das so, wenn man denjenigen einen findet?! Wie oft kommt es vor, jemanden zu treffen, der dieselben Gedanken, dieselben Gefühle hat? „Du hast so ein wunderbares Herz und eine so tolle Persönlichkeit. Ich will dich nicht verletzten oder kaputt machen.“ Ich verstehe nicht ganz was er mir damit sagen will. Hat er Angst mich zu verletzen oder selbst verletzt zu werden. Entscheiden wir das nich immer wieder erneut, wenn wir uns auf jemanden einlassen? Machen uns verletzlich? Manchmal werden wir verletzt und manchmal auf die beste Art und Weise belohnt. „Ich wurde schon oft verletzt und möchte das natürlich nicht mehr. Hält mich das davon ab mich auf jemand neues einzulassen?“

Ich kann diesen Umschwung in dieser Geschwindigkeit nicht ganz erfassen. Er hat es doch selbst in der Hand wen er wie verletzt und ob er es überhaupt tut. „Ich glaube du bist besser ohne mich dran.“ Die Tränen steigen mir in die Augen. Es kann doch nicht schon vorbei sein, wenn es doch gerade erst angefangen hat. Ich einen solchen Kuss genossen habe, der mich noch viel mehr fühlen ließ als er wahrscheinlich sollte.

Ich sage ihm, dass er nicht entscheiden kann ob er mir gut tut oder nicht. Dass ich das ganz alleine selber entscheide. Abgesehen davon, denke ich, dass das eher persönlich besprochen werden sollte, als über Whatsapp. Ich bin irritiert, sogar etwas verängstigt. „Ich war nicht ehrlich zu dir.“ Jetzt bin ich komplett verwirrt. Was passiert denn jetzt?

Mir gehen tausend Sachen durch den Kopf. Was hab ich denn da wieder erwischt? Hat er doch noch eine Freundin? Will er doch keine ernsthafte Beziehung? „Ich bin erst seit 2 Monaten Single und nicht seit einem Jahr.“ Wow. Ok. Ich habe schlimmeres erwartet. Wir wollen uns morgen wieder treffen und richtig über die Situation reden. Ich kann kaum einen gescheiten Gedanken fassen.

Am nächsten Abend steht er vor meiner Tür. Unsicher. Aber da. Die Baustelle ist groß. Das sehe ich. Ich weiß, dass ich in so kurzer Zeit zu intensive Gefühle habe, als es sein zu lassen. Zumindest kommen wir auf einen Nenner. Ich entscheide für mich selbst. Jetzt in diesem Moment möchte ich weiter die schönen Gefühle spüren. Nicht mit Fragezeichen aus etwas rausgehen, was sich so vielversprechend angefühlt hat. Er sieht es genauso. Er braucht eine starke Frau. Eine, die ihm seine Grenzen zeigt, für ihn da sein kann. Ob ich das bin, weiß ich selber nicht, aber versuchen werde ich es.

Es folgt ein weitere Kuss, der sich nicht weniger intensiv und schön anfühlt wie der letzte. Er gewährt mir einen Blick in sein Inneres. Ich weiß das zu schätzen und beschließe ihn mit meiner positiven Natur zu unterstützen. Die Küsse werden intensiver. Leidenschaftlicher. Lustvoller. Ich setze mich auf ihn. Reibe mein Unterleib an seines. Spüre seine Erektion. Seine unbändige Lust. Auch wenn ich weiter gehen will, fühlt es sich in diesem Moment nicht richtig an. Ich lasse die Küsse ausklingen. Höre auf mich an ihn zu reiben. Schaue ihm stattdessen tief in die Augen. Lasse ihn langsam wieder zu Atem kommen.

Ich habe ihn auf eine seltsame Art unter Kontrolle. Ich bestimme wie schnell oder langsam es geht. Und er. Er lässt es einfach zu.

Ein Gedanke zu “Verwirrung

  1. In der Tat, sehr verwirrend…ich hatte damit gerechnet, dass jetzt eher eine schöne und entspannte Geschichte kommt…jetzt frage ich mich, ob diese Geschichte nicht doch schon beendet wurde…Hach

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